| 16:21 Uhr

Terrorverdächtige Syrer in Berlin und Magdeburg festgenommen

Fahrräder stehen am 09.05.2017 in Berlin Köpenick auf dem Gelände eines Übergangswohnheimes für Flüchtlinge. Nach Medienberichten hielt sich dort ein 23 Jahre alter Syrer auf, der der Terrorgruppe des "Islamischen Staates" (IS) anhören soll. In den Morgenstunden durchsuchten Polizisten das Wohnheim.
Fahrräder stehen am 09.05.2017 in Berlin Köpenick auf dem Gelände eines Übergangswohnheimes für Flüchtlinge. Nach Medienberichten hielt sich dort ein 23 Jahre alter Syrer auf, der der Terrorgruppe des "Islamischen Staates" (IS) anhören soll. In den Morgenstunden durchsuchten Polizisten das Wohnheim. FOTO: Paul Zinken (dpa)
Karlsruhe. Berliner Polizisten sperren am frühen Morgen Straßen ab und umstellen ein Flüchtlingsheim. Ein Mann wird festgenommen. Zeitgleich schlägt die Polizei in Sachsen-Anhalt zu. Es geht um Terrorverdacht in Syrien. dpa

Zwei mutmaßliche Mitglieder islamistischer Terrorgruppen sind in Berlin und Magdeburg gefasst worden. Die Bundesanwaltschaft ließ die beiden Syrer im Alter von 30 und 23 Jahren am Dienstagmorgen von der Polizei festnehmen. Das teilte die Karlsruher Behörde mit. Außerdem wurden die Räumlichkeiten der beiden Männer durchsucht. Einer der beiden Männer lebte in einem Berliner Flüchtlingsheim im Stadtteil Köpenick, wie der Heimbetreiber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die „Berliner Zeitung“ über die Berliner Unterkunft berichtet.

Die beiden Männer sollen sich 2012 in Syrien einer Kampfeinheit der Terrorgruppe Al-Nusra-Front angeschlossen haben. Der 30-Jährige soll sich zudem an der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) beteiligt haben. Er soll als Befehlshaber an der Eroberung von Gasquellen teilgenommen haben. „Darüber hinaus brachte er im Frühjahr des Jahres 2013 in der Nähe der Stadt Tabka einen Scharfschützen des syrischen Regimes in seine Gewalt, zwang diesen, sein eigenes Grab auszuheben und schnitt ihm die Kehle durch“, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Beide Verdächtige sollten noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

In Berlin schlug die Polizei am Morgen gegen 6.00 Uhr mit einem Großeinsatz zu. Laut Schilderungen von Zeugen waren mehr als 60 Polizisten beteiligt. Sie umstellten das Gelände des Containerheims und riegelten Teile der Umgebung ab. Dabei war auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK).

Der Heimleiter Peter Hermanns wies darauf hin, dass es sich bei dem Terrorverdächtigen nur um einen von mehr als 1000 Menschen handelt, die seit Ende 2014 in dem Heim lebten. Man dürfe nicht alle Flüchtlinge pauschal verurteilen, sagte er. Für die Integrationsbemühungen im Umfeld des Heims im Salvador-Allende-Viertel in Köpenick sei die Festnahme schwierig, weil es immer Proteste von Anwohnern gegeben habe und erst nach und nach Vertrauen entstanden sei. Nun drohe ein Rückschlag.

Das Wohnheim war eine der ersten aus Containern errichtete Unterkunft für Flüchtlinge in Berlin. Immer wieder hatte unter anderem die rechtsextreme NPD Demonstrationen gegen das Heim und die Flüchtlinge organisiert. Bewohner wurden angepöbelt und angegriffen.

In Magdeburg ließ sich der Verdächtige laut Landeskriminalamt in einer Wohnung widerstandslos festgenommen.