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Terrorprozess startet in Dresden

Dresden. Der Tag hatte mit einem Schreckmoment begonnen. Bei einer Vorab-Kontrolle des massiv abgesicherten Gerichtsgebäudes am Stadtrand von Dresden hatten zwei Sprengstoffhunde angeschlagen. Christine Keilholz / ckz1

Dann die Entwarnung, die Hunde hatten offenbar auf ein Reinigungsmittel reagiert. So begann der Prozess gegen die "Gruppe Freital" am Dresdner Oberlandesgericht etwas später als geplant.

Dutzende Polizisten standen im Saal, als die Anklage gegen die acht mutmaßlichen Terroristen verlesen wurde. Den sieben Männern und einer Frau wird die Bildung einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Ein "Klima der Angst" hätten sie erzeugen wollen, heißt es in der Anklageschrift des Generalbundesanwalts. Insgesamt werden der Gruppe fünf Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politisch Andersdenkende zur Last gelegt. Die mutmaßliche Terrorgruppe soll für mehrere Anschläge in Freital und Meißen verantwortlich sein, darunter Angriffe gegen Asylunterkünfte. Ebenso sollen sie Unterstützer von Flüchtlingen und ein alternatives Wohnprojekt in Dresden attackiert haben. Auch der Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Linken-Politikers geht offenbar auf das Konto der Truppe.

Die Anklage sprach gestern von weiteren geplanten Anschlägen mit Rohrbomben. Nach den ersten Festnahmen von Mitgliedern der Gruppe war schnell die Rede von Terror, von konspirativ geplanten Aktionen, die an das NSU-Ter rortrio erinnerten. Innerhalb der "Gruppe Freital" gab es Hierarchien und eine Geheimsprache.

Bei Razzien im November 2015 und im März 2016 fand die Polizei Bombenbau-Utensilien und Nazi-Kitsch in Wohnungen in Freital und Dresden. Wie es so weit kommen konnte mit der Clique junger Leute, ist noch unklar. Möglicherweise radikalisierten sich einige der Männer in rechtslastigen Internetforen und durch die Parolen von Pegida.

Freital kämpft derweil um seinen Ruf. Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) warnte davor, die Stadt für die Taten von acht Einzelnen "in Mithaftung" zu nehmen. Thema des Tages Seite 3