Di e extremistische Miliz Islamischer Staat (IS) versucht nach Zeitungsinformationen, Terrorkommandos als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schleusen. Aus je vier Terroristen bestehende Gruppen sollten die syrisch-türkische Grenze überqueren und mithilfe gefälschter Pässe weiter nach Westeuropa reisen, auch nach Deutschland. Dort sollten sie Anschläge verüben, schreibt die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Sicherheitskreise. Aus abgehörten Gesprächen hätten US-Geheimdienste auch erfahren, dass die Terroristen wegen der strengeren Kontrollen an Airports keine Flugzeuge benutzen sollen .

De utschen Behörden ist das Szenario laut Zeitung bekannt, dies hätten Regierungskreise bestätigt. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Sonntag auf Anfrage lediglich: "Deutschland steht nach wie vor im Fokus des dschihadistischen Terrorismus." Daraus resultiere eine abstrakt hohe Gefährdung für die innere Sicherheit. Derzeit gebe es jedoch keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen .

Unterdessen ziehen radikalislami sche Kämpfer aus Deutschland nach Beobachtung der Sicherheitsbehörden zunehmend von Pakistan Richtung Syrien. Deutsche Nachrichtendienste gingen davon aus, dass sich einige Dschihadisten, die vor Jahren in Terrorcamps im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auswanderten, inzwischen in Syrien befänden oder auf dem Weg dorthin seien, berichtete "Die Welt" unter Berufung auf Sicherheitskreise. "Der Bürgerkrieg in Syrien und die Terrorgruppe Islamischer Staat üben aktuell die größte Anziehungskraft für kampfeswillige Islamisten aus", sagte ein nicht namentlich genannter Vertreter der Sicherheitsbehörden der Zeitung. Derzeit sollen sich dem Bericht zufolge noch rund 20 Islamisten aus Deutschland in der Grenzregion aufhalten, ursprünglich seien bis zu 100 in die Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al Kaida und anderer Gruppen gezoge n.

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass inzwischen rund 450 radikalisierte Muslime aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist sind, um sich dort am Kampf des IS zu beteiligen oder die Miliz zu unterstützen. Etwa 150 davon sind zwischenzeitlich zurückgekehrt.

Ind es strebt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) angesichts des Zulaufs junger Menschen zur IS eine Aufstockung des Bundesprogramms "Demokratie leben!" an. Es startet Anfang 2015 und ist bisher mit 30,5 Millionen Euro ausgestattet, davon drei Millionen Euro für Projekte gegen Radikalisierungstendenzen. "Angesichts der vielen Probleme, die in den letzten Jahren sichtbar zugenommen haben in den Bereichen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islamismus, Radikalisierung werbe ich im Parlament für eine Aufstockung des Bundesprogramms, sagte Schwesig der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir können nicht zulassen, dass junge Leute, die in Deutschland aufgewachsen sind, in ein anderes Land gehen, um sich dem Terrorismus anzuschließen."

D erweil fordern mehrere Bundesländer Schwesig auf, mehr Geld für den Kampf gegen Rechtsextremismus auszugeben. Dies gehe aus Briefen von mehreren Länder-Ressortkollegen hervor, berichtet die "Bild". "Eine Aufstockung des Fördervolumens - wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart und vom NSU-Untersuchungsausschuss für erforderlich gehalten wurde - ist leider nicht erfolgt", schreibe etwa die Familienministerin von Rheinland-Pfalz, Irene Alt (Grüne) .

Zum Thema:
Die Enthauptung des Briten Alan Henning durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) setzt die Regierung in London unter Zugzwang. Die Downing Street müsse sich dafür einsetzen, dass der Geldfluss an die Terroristen aus einflussreichen Golfstaaten wie Katar und Saudi-Arabien gestoppt werde, betonten frühere Generäle sowie der Ex-Verteidigungsminister Liam Fox im "Sunday Telegraph". Katar und Saudi-Arabien unterhalten milliardenschwere Geschäftsverbindungen nach London. Am Freitagabend war ein Video im Internet aufgetaucht, das die Enthauptung des 47 Jahre alten Taxifahrers aus der Nähe von Manchester zeigen soll. Eine offizielle Bestätigung für die Echtheit der Aufnahmen gab es nicht. Jedoch äußerten die britischen Behörden auch keine Zweifel an der Authentizität des Videos.