Bei einer Reihe mutmaßlich islamistischer Anschläge in Tunesien, Frankreich und Kuwait sind am Freitag innerhalb weniger Stunden mehrere Dutzend Menschen getötet worden. Allein im Badeort Sousse an der tunesischen Mittelmeerküste, wo bewaffnete Männer ein Urlauberhotel überfielen, gab es mindestens 37 Tote. Unter den Opfern sollen neben Deutschen auch Urlauber aus Großbritannien, Belgien und Tunesier sein. 36 Verletzte seien auf verschiedene Krankenhäuser im Großraum Sousse verteilt worden.

Nach Angaben des Reisekonzerns Tui waren etwa 260 deutschen Urlauber zurzeit des Anschlages in Sousse. Tui geht davon aus, dass sich unter den Todesopfern des Terroranschlags eigene Kunden befinden könnten. Bis zum Abend lagen allerdings noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Der Krisenstab des Konzerns leitete eigenen Angaben zufolge alle notwendigen Maßnahmen ein. Speziell geschulte Mitarbeiter würden sich auf ihren Einsatz vorbereiten, um Gäste vor Ort zu unterstützen.

Der Angriff auf das Hotel "Imperial Marhaba" in Sousse - 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis - geht nach Angaben des tunesischen Innenministeriums auf das Konto von zwei Terroristen. Später war von einem Schützen die Rede, einem tunesischen Studenten, den Sicherheitskräfte töteten. Die Rolle des zweiten mutmaßlichen Täters, der nach offiziellen Angaben festgenommen wurde, blieb unklar. Rund ums Hotel hatte es Schusswechsel zwischen Angreifern und Sicherheitskräften gegeben.

Zwei weitere Anschlag erschütterte gestern Kuwait und Frankreich. Bei einem Selbstmord-Attentat in der Nähe einer schiitischen Moschee in Kuwait während des Freitagsgebets gab es mindestens 24 Tote. In Frankreich wurde nach einem Überfall auf eine Industriegasefabrik bei Lyon die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Ein 35-Jähriger mit Kontakten zur radikal-islamistischen Szene wurde festgenommen. Ob die Anschläge in Zusammenhang stehen, war unklar. Überall gab es aber Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) forderte dazu auf, während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf "Feinde" des Islams zu verüben. Sie übernahm die Verantwortung für den Anschlag in Kuwait.

Angesichts der Angriffe mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein entschlossenes Vorgehen gegen den internationalen Terrorismus an. Ebenso wie die Kanzlerin sprach auch Bundespräsident Joachim Gauck den Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Das Auswärtige Amt rät in seinem aktualisierten Reisehinweis für Tunesien zu besonders umsichtigem Verhalten. Eine Reisewarnung sprach die Behörde nicht aus. Der Deutsche Reiseverband hat derzeit noch keine weitere Informationen zur Lage vor Ort.

Nach dem Terrorangriff bietet Tui kostenlose Stornierungen an. Alle Gäste, die bereits gebucht haben, könnten bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte der Veranstalter mit. Für Urlauber, die sich vor Ort befinden, organisiert die Tui die Abreise. Politik Seite 9