Die Angreifer stürmten nach Angaben der Polizei am Morgen mit Sturmgewehren und Granaten bewaffnet in das Schulungszentrum der Polizei in Manawan wenige Kilometer östlich der Stadt Lahore. Ein Teil der zehn- bis zwölfköpfigen Gruppe war offenbar mit Uniformen als Polizisten getarnt. Den Angaben zufolge töteten sie Wächter am Hintereingang des Geländes und verschafften sich so Zugang zu der Polizeischule. Erst sei eine Handgranate über die Mauer des Geländes geworfen worden, dann hätten die Angreifer wahllos auf die Polizisten geschossen, sagte ein Kadett der Schule dem TV-Sender Geo. Nach Angaben der Streitkräfte kamen bei dem Angriff vier Attentäter ums Leben, wobei sich drei selbst in die Luft gesprengt haben sollen. Fast 100 verwundete Polizisten seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte General Athar Abbas. Drei Attentäter seien festgenommen worden. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sprach von mehr als Hundert Verletzten. Erst knapp acht Stunden nach Beginn des Angriffs gelang es den Sicherheitskräften, die Polizeischule wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Schwer bewaffnete Soldaten einer paramilitärischen Einheit wurden zur Bekämpfung der Angreifer eingesetzt. Während der Schießerei waren aus dem Gelände mehrere Explosionen zu hören. Vom Dach des Gebäudes verkündeten Einsatzkräfte schließlich den Sieg über die Angreifer. Zahlreiche Krankenwagen fuhren daraufhin auf das Gelände, um Verwundete aufzunehmen. Medienberichten zufolge hatten die Angreifer in den Stunden zuvor mehrere Geiseln genommen. Innenminister Rehman Malik machte einheimische Terrorgruppen für den Angriff verantwortlich. "Das war ein Terrorangriff", sagte er. Die Zahl der Angreifer, ihr Vorgehen sowie ihre Ausrüstung erinnerten an den Anschlag auf die Kricket-Nationalmannschaft von Sri Lanka in Lahore Anfang März. Bei dem Angriff beschossen rund ein Dutzend Maskierte den Bus des Teams und töteten acht Menschen. Trotz einer minutenlangen Schießerei konnten die Angreifer damals fliehen. Pakistan wird immer mehr zur Zielscheibe von Terrorgruppen. In weniger als zwei Jahren kamen landesweit bei Anschlägen mehr als 1700 Menschen ums Leben. US-Präsident Barack Obama hatte in seiner neuen Afghanistan-Strategie Pakistan eine zentrale Rolle im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Qaida zugewiesen. Die Gruppe sei wie ein "Krebsgeschwür", das Pakistan von innen zu töten drohe. Auch die Angreifer, die im November in der indischen Finanzmetropole Mumbai (Bombay) 165 Menschen töteten, stammten aus Pakistan. Das von Stämmen kontrollierte Grenzgebiet zu Afghanistan dient besonders den radikalislamischen Taliban und Al Qaida als Rückzugsraum. AFP/roe