Bundesanwalt Walter Hemberger bleibt allerdings bei seiner Einschätzung und fordert für den Marokkaner wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen die Höchststrafe von 15 Jahren Haft.
Mzoudi habe als radikaler Islamist die "menschenverachtende und umbarmherzige Gesinnung der Gruppe" um Mohammed Atta befürwortet und sei "ein verlässlicher Partner der Todespiloten" gewesen. "Bis vor kurzem konnten wir sicher sein, dass auch der Senat diese Auffassung teilt", erinnert sich Hemberger. Dann kam am 11. Dezember vergangenen Jahres das "Fax in die Freiheit" (so Nebenklageanwalt Andreas Schulz) und brachte die spektakuläre Wende. Das Bundeskriminalamt ließ dem Hanseatischen Oberlandesgericht mitteilen, eine namentlich nicht genannte Person habe US-Behörden erklärt, Mzoudi sei nicht in die Vorbereitung der Anschläge eingebunden gewesen. Bei dem anonymen Zeugen soll es sich um den für das Gericht unerreichbaren, mutmaßlichen Terrordrahtzieher Ramzi Bi nal shibh gehandelt haben.
Der Vorsitzende Richter Klaus Rühle entließ den Marokkaner daraufhin aus der U-Haft, in der er seit dem 10. Oktober 2002 gesessen hatte. Rühle sah keinen dringenden Tatverdacht mehr und entschied: im Zweifel für den Angeklagten. Schulz meinte daraufhin: "Man kann nicht mehr realistisch davon ausgehen, dass der Angeklagte von diesem Gericht schuldig gesprochen wird." Und Verteidiger Michael Rosenthal sagte: "Man soll es nicht beschreien, ich bin abergläubisch, aber mein juristischer Sachverstand sagt mir, dass mit einem Freispruch zu rechnen ist."
Mzoudi selbst wirkte bei dem Streit um seine Person seltsam unbeteiligt. Auch massiven Beschuldigungen folgte der bärtige Mann in sich zusammengesunken ohne sichtbare Regung. Zweimal bekam er vom Richter die Möglichkeit zu einem letzten Wort, zweimal zuckte er nach hilflosem Blick zu den Verteidigern mit der Schulter und verzichtete. Am liebsten würde Mzoudi nach eigenem Bekunden sein Studium der Elektrotechnik an der TU Hamburg-Harburg fortsetzen.