Drei Gruppen von Attentätern haben am Freitagabend innerhalb von 33 Minuten Tod und Schrecken in Paris verbreitet. Das haben die ersten Ermittlungen ergeben, die der Pariser Staatsanwalt François Molins am Samstagabend vorstellte. Minute für Minute zeichnete Molins die Serie der Anschläge nach, die koordiniert und genau vorbereitet waren. Der Horror begann um 21.20 Uhr mit einer ersten Explosion vor Eingang D des mit 75.000 Menschen vollbesetzten Stade des France, wo gerade Deutschland gegen Frankreich spielte.

Ein Attentäter, der sich mit seinem Sprengstoffgürtel in die Luft jagte, und ein Passant starben bei diesem Auftakt zu einer Alptraumnacht, die nur fünf Minuten später im vollbesetzten Restaurant Petit Cambodge und der Bar Carillon im quirligen zehnten Pariser Stadtbezirk weiterging. Mit Kalaschnikows bewaffnete Männer fuhren in einem schwarzen Seat Leon vor und schossen auf Menschen, die auf der Terrasse mit Drinks das Wochenende einläuteten. 15 Restaurantbesucher starben.

Fünf Minuten später ging die Gewalt am Stade de France weiter, wo sich vor Eingang H zwei weitere Selbstmordattentäter in die Luft sprengten. Die zweite Gruppe der Angreifer im schwarzen Seat setzte währenddessen ihre Terrortour durch Paris vor der Bar "La Bonne Bière" fort, wo sie ebenfalls wild um sich schossen. Hunderte Patronen seien gefunden worden, berichtete Molins. Fünf Menschen starben. Kurz darauf fuhr der Seat vor der Bar La Belle Equipe vor, wo die Attentäter 19 Menschen erschossen.

129 Tote und 352 Verletzte

Vor dem Comptoir Voltaire, ebenfalls eine angesagte Bar im elften Stadtbezirk, sprengte sich vier Minuten später ein Selbstmordattentäter in die Luft, der denselben Sprengstoffgürtel hatte wie die Angreifer des Stade de France. Ein Mensch wurde schwer verletzt. Um 21.40 Uhr erreichte der Terror dann seinen Höhepunkt: ein schwarzer Polo brachte drei Männer zum Konzertsaal Bataclan, der mit 1500 Menschen voll besetzt war. Die laut Augenzeugen höchstens 25 Jahre alten Angreifer, die nicht maskiert waren, drangen sie in das Konzert der Heavy-Metal-Gruppe Eagles of Death Metal ein. "Sie feuerten mitten im Konzert mehrere Salven ab und nahmen das Publikum als Geisel", schilderte Molins die Szene. Die Angreifer hätten Syrien und den Irak erwähnt, wo Frankreichs Luftwaffe den Islamischen Staat bekämpft.

Die Sondereinheiten Raid und BRI stürmten das Bataclan erst gegen 00.20 - mehr als zwei Stunden, nachdem die Attentäter dort eingedrungen waren. Sie erschossen einen der Angreifer; die anderen beiden sprengten sich selbst in die Luft. Die erste Gruppe der Terroristen löste unterdessen um 21.53 eine dritte Explosion vor dem Stade de France aus. 129 Menschen starben bei den Anschlägen und 352 wurden verletzt, 99 davon schwer.