Von Mathias Hausding

Deutschlandweit wird seit Tagen über Für und Wider eines Tempolimits auf Autobahnen gestritten. Befürworter einer Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometer erhalten nun unerwartet Argumentationshilfe durch eine schon etwas ältere Studie aus Brandenburg. Das hiesige Verkehrsministerium hat nämlich im Jahre 2007 untersuchen lassen, welche Auswirkungen die Einführung des Tempolimits auf einem 62 Kilometer langen Abschnitt der A 24 zwischen den Dreiecken Wittstock/Dosse und Havelland hatte. Bis Ende 2002 gab es auf der vierstreifig ausgebauten Strecke keine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Dann wurde wegen hoher Unfallzahlen ein Tempolimit von 130 eingeführt. Ergebnis: Die Unfallzahlen wurden annähernd halbiert. Aus 654 schweren Unfällen in drei Jahren ohne Tempo-Begrenzung wurden 337 schwere Unfälle in drei Jahren mit maximal Tempo 130. Die Zahl der Verunglückten sank in dem Zeitraum ebenfalls deutlich von 838 auf 362, ein Minus von 57 Prozent. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass im zweiten Zeitraum auf der Straße pro Tag im Schnitt 1800 Autos weniger unterwegs waren. Außerdem geben die Autoren der Studie zu bedenken, dass „von 2004 bis 2006 allgemein ein Rückgang der Unfälle auf brandenburgischen Autobahnen zu verzeichnen war“. Dennoch fällt das Fazit eindeutig aus: Tempo 130 führt zu weniger Unfällen, weniger Verletzten und weniger Toten. Um das am Beispiel der A 24 zu belegen und Faktoren wie die allgemein steigende Verkehrssicherheit herauszurechnen, haben die Experten auf die sogenannte Unfallkostenrate zurückgegriffen. Um zu prüfen, wie sicher eine Straße ist, werden in der Forschung die dort entstehenden Schäden in Kosten umgerechnet – auch Verletzungen oder sogar Menschenleben. Unter dem Strich habe demnach die Einführung des Tempolimits die Unfallkostenrate um 26,5 Prozent gesenkt.

Mit diesen Erkenntnissen gaben sich die Studienautoren noch nicht zufrieden. Sie untersuchten auch den Verkehrsfluss ohne und mit Tempolimit. So sank das gefahrene Durchschnittstempo nur wenig. Ohne Tempolimit fuhren die Pkw im Schnitt 137 Stundenkilometer schnell, mit Begrenzung auf Tempo 130 waren es 127 Kilometer pro Stunde. Hinzu kommt: Weil das Tempolimit den Verkehrsfluss harmonisiert, erhöht sich die Kapazität eines Fahrstreifens um 100 Fahrzeuge pro Stunde. In ihrem Resümee gehen die Experten davon aus, dass ein flächendeckendes Tempolimit von 130 auf Autobahnen gut für die Allgemeinheit sei. Die zusätzlichen Kosten durch längere Fahrtzeit würden weniger ins Gewicht fallen als der Gewinn durch geringere Unfallkosten.