Dass es aber Interesse an authentischer Geschichte gibt, zeigt derzeit auch die Freiluft-Bildergalerie am Berliner Checkpoint Charlie, dem früheren Alliierten-Kontrollpunkt zwischen Ost- und Westberlin. Gerade für Berlin-Besucher ist der Checkpoint an der Friedrichstraße die erste Adresse fürs "Mauergucken" und einer der wenigen Orte, an dem der Besucher eine Ahnung von der Teilung bekommen kann.
Vor allem Schulklassen, Touristen und Berliner stehen vor den Foto- und Texttafeln zur Mauergeschichte, an Wochenenden herrscht oft Gedränge. Auch das private Mauermuseum am Checkpoint mit einer Vielzahl geschichtsträchtiger Exponaten ist ein Magnet. Und an der nachgebauten Kontrollbaracke der US-Army mit Schauspielern in Alliierten-Uniformen mitten auf der Friedrichstraße werden oft die Fotoapparate gezückt.
"Ich finde die Fotos sehr eindrucksvoll. In der Schule hat die deutsche Teilung bei uns noch keine große Rolle gespielt", sagt die 15-jährige Lena aus Hamburg. Sie findet die vom rot-roten Berliner Senat initiierte Straßen-Ausstellung wichtig. Sie ist mit ihrer Mutter extra fürs historische Sightseeing in die Hauptstadt gekommen.
Nach einer repräsentativen Umfrage will die Mehrheit deutscher Schüler mehr über die DDR-Geschichte erfahren. Nach Angaben der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ordneten in einer Befragung von 5600 Schülern zwar knapp 57 Prozent Ludwig Erhard als zweiten Bundeskanzler und Begründer des Wirtschaftswunders richtig ein. Doch nur 22 Prozent wussten, dass Erich Honecker langjähriger Chef der herrschenden SED in der DDR war. In Schulbüchern fehlt laut Stiftung oft die Darstellung der SED-Diktatur, die Mauer und Stacheldraht zu verantworten habe.
Die Galeriewand ist Teil des im Juni nach jahrelanger Diskussion beschlossenen Senats-Konzepts zur Erinnerung an die Berliner Mauer. "Wir tragen mit diesem Konzept der politischen Verantwortung für künftige Generationen Rechnung, an die Zeit von Teilung und Unterdrückung zu erinnern", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gesagt. Doch die Spuren der Teilung sind an vielen Stellen nicht mehr sichtbar.
Am Checkpoint soll später ein Museum des Kalten Krieges entstehen. Heute verdeckt die Galeriewand als Zwischenlösung Brachflächen, auf denen zuvor eine private Installation aus Kreuzen für die Mauertoten und einem unechten Grenzwall-Stück für Aufregung gesorgt hatte. Geschichtslehrerin Tracy aus dem englischen Bristol kennt diese Hintergründe nicht. Die mit Schülern angereiste Pädagogin informiert sich an den Tafeln über die Teilungsgeschichte und ist sichtlich beeindruckt. Sie hat auch den Pflasterstreifen auf der Straße entdeckt, der den damaligen Mauerverlauf nachbildet.
Ob das Gedenkkonzept gänzlich Realität wird, ist unklar. Denn der Hauptstadt fehlt vor allem Geld.