Vor Kurzem kreuzte eine gelandete Maschine die selbe Startbahn, auf der gerade eine Maschine abhob. Wie immer in solchen Fällen prüft nun das Luftfahrt-Bundesamt diesen Vorfall.

Rote Lichterketten im Boden
Tegel erhält jetzt – wenige Jahre vor der Schließung – nicht nur einen weiteren Terminalanbau für rund acht Millionen Euro, auch in die Sicherheitsanlagen auf dem Rollfeld wird nochmals investiert. Unter anderem werden Stoppbarren installiert – rote Lichterketten, die in den Boden eingelassen werden. Nur nach dem Ausschalten dieser Lichterketten durch die Lotsen auf dem Tower dürfen Piloten mit ihren Maschinen weiterrollen. Zudem können dann die bisher gelb blinkenden „Ampeln“ an den Rollwegen auf rote Lichter umgestellt werden, was bisher nach Angaben der Flugsicherung rechtlich nicht möglich ist.
Klaus Hartemink, Leiter der Flugsicherung in Berlin, hat die Lotsen in Tegel zudem angewiesen, rollende Maschinen bis zum vorgesehenen Stillstand zu beobachten. Bisher konnten sich die Lotsen gleich um die nächste Maschine kümmern, wenn sie ihre Anweisungen an die Besatzung einer gelandeten Maschine durchgegeben hatten und diese von den Piloten bestätigt worden waren. Startende Maschinen müssen nun meist länger warten, bis sie abgefertigt werden können, was den Verkehr in Tegel verzögert. In Spitzenstunden habe der Flughafen aber seine Grenzwerte bereits erreicht, klagt Pilot Thomas Kärger.

Nur ein Schnellabrollweg
Auf dem Flughafen liegen nicht nur die Start- und Landebahnen so dicht neben ein ander, dass Starts oder Landungen nicht parallel erfolgen können. Auch die Abrollbahnen stellen hohe Ansprüche an die Piloten. Jede Bahn hat nur einen Schnellabrollweg. Die anderen Strecken zum Terminal zweigen dagegen fast rechtwinklig von den Bahnen ab, weshalb die Piloten dort ihre Maschinen fast auf null abbremsen müssen. Bis sie die Landebahn verlassen haben, darf keine andere Maschine landen.
Trotzdem seien „unkontrollierte Annäherungen“ fast nicht zu vermeiden, sagte Kärger. So habe der Pilot eines Airbus vor Kurzem nach der Landung auf der nördlichen Bahn beim Abrollen zum Terminal den unbedingten Stopp vor der Südbahn missachtet. Noch bevor der Lotse die Besatzung zum sofortigen Stopp auffordern konnte, sei der Airbus auf die Piste gerollt, auf der gerade eine Boeing 737 abhob und nur knapp über den weiterrollenden Airbus hinweggeflogen sei. Eine reale Gefahr habe aber nicht bestanden, hieß es dazu bei der Flugsicherung. Die Vorschriften seien so ausgelegt, dass nichts passieren könne, sagte Hartemink. Wegen des sehr starken Flugverkehrs in Tegel und den Mängeln in der Infrastruktur seien bereits Karten für die Piloten ergänzt worden, und bei den automatischen Ansagen ins Cockpit werden die Piloten vor der Landung nochmals extra darauf hingewiesen, in Tegel besonders aufzupassen.
Maximal 52 Starts und Landungen sind derzeit pro Stunde möglich. Nimmt der Verkehr weiter zu, müssten diese „Eckwerte“ erhöht werden. Bisher sei diese Zahl aber noch nie erreicht worden, heißt es.