Die Rektoren der TU Dresden und Chemnitz, Hermann Kokenge und Klaus-Jürgen Matthes, kritisierten die Rahmenbedingungen für Hochschulen in Sachsen. "Der Freistaat muss so schnell wie möglich die Bedingungen schaffen, damit wir mit anderen Ländern, die schon weiter sind, gleichziehen können."

Freiheit des Handelns wichtig
Universitäten und Hochschulen müsse mehr Autonomie bei Finanzen, Personal und Organisation gewährt werden. "Wir wollen ein Budget zugewiesen haben, im Rahmen dessen wir die große Freiheit haben, Geld für die Dinge auszugeben, für die es benötigt wird", sagte Kokenge. Nach Angaben von Wissenschaftsministerin Barbara Ludwig (SPD) arbeitet die Dresdner Universität bereits mit diesem Globalhaushalt als Modellversuch, der übertragen werden soll. "Wir haben ja vor, die Hochschulen viel mehr eigene Verantwortung tragen zu lassen."

Verständnis für Enttäuschung
Das Ministerium sei bei der Novellierung des Sächsischen Hochschulgesetzes in zahlreichen Punkten mit den Rektoren konform, da sie gemeinsam vorbereitet wurden. Im Zusammenhang mit der Kritik bezüglich des Abschneidens im ersten Wettbewerb der Spitzenforschung in Deutschland äußerte Ludwig Verständnis für die Enttäuschung der Universitäten im Freistaat. "Ich denke, dass unsere Universitäten weiter eine große Chance auf Erfolg haben", sagte sie der dpa.
Die Dresdner hätten hervorragende Voraussetzungen, sich in der zweiten Runde der Elite-Universitäten durchzusetzen. "In der nächsten Runde sollten andere Themenstellungen deutlicher mit betrachtet werden." Es bestehe Sorge, dass Kernkompetenzen wie die Energietechniken und der Maschinenbau bei künftigen Forschungsprojekten kaum bedacht würden.
Die Rektoren halten mit Blick auf die Gewinnung von Spitzen-Lehrkräften das neue Besoldungssystem für Professoren für einen Nachteil. "Mit im Schnitt 68 000 Euro brutto im Jahr steht Sachsen an letzter Stelle", sagte Matthes. Es bestehe kein Spielraum, Professoren leistungsorientiert zu vergüten. Ministerin Ludwig sieht dies nicht als einzig ausschlaggebenden Faktor.

Bedingungen reichen nicht aus
"Wissenschaftler richten sich nicht nur danach, sondern auch nach den Umständen. Die Bedingungen reichen noch nicht aus." Ohne die besten Köpfe könnten die Hochschulen im Wettbewerb nicht bestehen, sagte der Prorektor der TU Bergakademie Freiberg, Carsten Drebenstedt. Das Interesse von führenden Leuten aus der Wirtschaft sei denkbar gering wegen der finanziellen und auch administrativen Zwänge.