Stattdessen setze ein für Februar ungewöhnliches Tauwetter ein. Einen warmen Wind verspürte Russlands Politik auch von der Sicherheitskonferenz in München. Dort hatte der neue US-Vizepräsident Joe Biden angekündigt, die verkorksten Beziehungen zwischen Washington und Moskau wie mit dem Druck auf die "Reset"-Taste am Computer neu zu starten. Während die russische Politik erfreut reagierte, warnten Experten in Moskau vor zu hohen Erwartungen. Im letzten Amtsjahr des mittlerweile ausgeschiedenen US-Präsidenten George W. Bush war das Verhältnis zwischen Kreml und Weißem Haus in Washington auf einen Tiefpunkt gerutscht. Man stritt über US-Pläne für eine Raketenabwehr in Mitteleuropa, Krieg im Südkaukasus, Moskaus Menschenrechtspolitik und Kurzstreckenraketen für Kaliningrad. Skepsis der Russen Noch vor zwei Jahren hatte der damalige russische Präsident Wladimir Putin auf der Münchner Konferenz mit seiner scharfen Verbalattacke gegen die Vormachtstellung der USA einen Hauch von neuem Kalten Krieg verbreitet. Umso genauer lauschte die russische Führung in München nun den pragmatischen Worten Bidens, der einen grundlegenden Wandel der Beziehungen sowie ein Ende politischer und militärischer Alleingänge versprach. So will die letzte Weltmacht USA auch bei der Raketenabwehr sowie dem Ende 2009 auslaufenden Abrüstungsvertrag Start I vermehrt Rücksicht auf die Russen nehmen. "Wir haben das eindeutige Signal der US-Regierung verstanden", sagte Russlands Vize-Regierungschef Sergej Iwanow in München. Dass Biden nicht auf "Demokratiedefiziten" in Russland herumhackte, erhöhte das russische Wohlbefinden. Die ersten Reaktionen der Russen auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama waren noch reserviert ausgefallen. Ausgerechnet am Tag nach dessen Wahlsieg im November erschreckte Kremlchef Dmitri Medwedew den Westen mit der Ankündigung, als Reaktion auf die US-Raketenabwehrpläne neue Kurzstreckenraketen in der Ostsee-Exklave Kaliningrad aufzustellen. Von Emotionen geprägt Immerhin machte Moskau diese Drohung noch vor dem Treffen in München rückgängig. Auch das aus Obamas Umfeld signalisierte Interesse an einer Reduzierung atomarer Sprengköpfe sorgte für Entspannung. Das Verhältnis zwischen den USA und Russland wird traditionell von Emotionen beherrscht. Entsprechend stark schlägt das Pendel bei einem Kurswechsel aus. Wie viel gekränkter Stolz bei den Russen aufgrund fehlender Beachtung mitspielt, machte deren Nato-Botschafter Dmitri Rogosin deutlich. "Alle Diskussionen in München drehten sich um unser Land", stellte Rogosin zufrieden fest. Die Hochstimmung der Russen konnte nicht einmal die Tatsache trüben, dass der Westen noch immer über die Inhalte der von Medwedew vorgeschlagenen neuen Sicherheitsarchitektur für Europa rätselt. Die Moskauer Tageszeitung "Moskowski Komsomolez" warnte vor zu viel Vertrauen in die neue US-Führung. "Mit Amerika muss man mit einem Lächeln im Gesicht verhandeln, aber von einer Position der Stärke aus, nach dem Prinzip ,Zuckerbrot und Peitsche‘", schrieb das Boulevardblatt am Montag.