Bei den Kämpfen in Somalia sind nach Angaben der äthiopischen Regierung mindestens 1000 Menschen getötet und mehr als 3000 weitere verletzt worden. „Unglücklicherweise gibt es auf der anderen Seite schwere Verluste“ , sagte der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief zu einem Ende der Gewalt auf.
Einheiten Äthiopiens und der Übergangsregierung befanden sich offenbar im Vormarsch auf die von den Rebellen besetzte Hauptstadt Mogadischu. Die Übergangsregierung bot den Rebellen eine Amnestie an. Die Islamisten kündigten eine Fortsetzung des Kampfes an. Angesichts der Bombardierungen der äthiopischen Luftwaffe hätten die Milizen ihre Strategie ändern müssen, sagte der Oberkommandierende Scheich Scharif Scheich Ahmed. Der Widerstand habe eine „neue Stufe“ erreicht. „Wir sind bereit zu einem langen Krieg mit Äthiopien.“
Einheiten Äthiopiens und der Übergangsregierung befanden sich nach Angaben des somalischen Botschafters in Äthiopien, Abdelkarin Farah, nur noch etwa 100 Kilometer von Mogadischu entfernt. Ministerpräsident Zenawi betonte jedoch, ein Einmarsch in die von den Islamisten besetzte Hauptstadt sei nicht geplant. Regierungssprecher Abdirahman Dinari rief die tausenden im Land befindlichen ausländischen Kämpfer zum Rückzug auf, um den Somaliern die Wiederherstellung des Friedens zu ermöglichen. Die islamistischen Milizen werden nach UN-Angaben von Kämpfern aus Eritrea unterstützt.
Die Regierung in Addis Abeba erklärte, sie habe den Islamisten „schwere menschliche und materielle Verluste“ zugefügt. Die äthiopische Armee habe seit Beginn ihrer Gegenoffensive in dem Nachbarland sechs bislang von Rebellen gehaltene Stützpunkte eingenommen.
Äthiopien hatte erstmals am Sonntag seine direkte Beteiligung an den Kämpfen in Somalia zugegeben. Zenawi hatte dies mit „Umständen“ begründet, die sein Land zum Eingreifen gezwungen hatten. Äthiopien unterstützt die weitgehend machtlose Übergangsregierung. Seit Beginn der Kämpfe am 20. Dezember ergriffen Tausende die Flucht. Das Welternährungsprogramm (WFP) forderte die Konfliktparteien auf, die Hilfslieferungen für die Not leidende Bevölkerung nicht zu behindern. Rund 1,4 Millionen Somalier leiden laut WFP an schwerer Unterernährung.
International wurde die Eskalation der Gewalt verurteilt. Die Afrikanische Union (AU) forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe und rief die Kriegsparteien zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich besorgt über die „desaströsen Konsequenzen für die Zivilbevölkerung“ .
Die EU zeigte sich „zutiefst besorgt“ über die Verwicklung der äthiopischen Armee, welche die Gewalt unnötig anheize. Steinmeier erklärte, die Eskalation sei „Besorgnis erregend“ . Nur eine Verhandlungslösung werde den Weg zu einer Befriedung „dieses geschundenen Landes“ eröffnen. (AFP/dpa/cd)

Hintergrund Chaos und Anarchie
 In Somalia herrscht seit 15 Jahren Chaos und Anarchie. Nach dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 brach ein Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Clans aus. Seither gibt es in dem Land am Horn von Afrika keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die international anerkannte Übergangsregierung, verlor im vergangenen Juni die Kontrolle über die Hauptstadt Mogadischu an islamistische Milizen.