Bei einer ergreifenden Zeremonie im Moskauer Sacharow-Zentrum erwiesen zuvor Tausende Menschen dem 55 Jahre alten Oppositionspolitiker die letzte Ehre. Auch deutsche Politiker nahmen Abschied von Nemzow, der am Freitagabend hinterrücks von einem Unbekannten erschossen worden war.

"Ob er Gouverneur war oder Vizeregierungschef oder Oppositioneller, das hat nichts geändert. Auf jedem Posten blieb er Mensch - hell und aufrichtig", sagte Naina Jelzina, die Witwe des russischen Ex-Präsidenten Boris Jelzin. Nemzow war 1997/1998 unter Jelzin stellvertretender Ministerpräsident.

Der litauische Außenminister Linas Linkevicius und der britische Ex-Premierminister John Major waren ebenfalls unter den Trauergästen. Der EU-Botschafter in Moskau, Vygaudas Usackas, bezeichnete Nemzow als "russischen Patrioten und Freund der EU".

Der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), betonte bei der Trauerzeremonie am Sacharow-Zentrum Nemzows herausragende Rolle als Oppositionspolitiker. "Es ist ein schwerer Abschied, weil man natürlich weiß, dass Nemzow eine der wenigen gewichtigen Stimmen der Opposition war und dass es sehr schwer sein wird, ihn zu ersetzen", sagte er.

Für internationale Verstimmung sorgten Einreiseverbote für EU-Politiker. Das polnische Außenministerium reichte eine Protestnote ein, weil Senatspräsident Bogdan Borusewicz nicht zur Trauerfeier kommen durfte. In Riga kritisierte das lettische Außenministerium das russische Einreiseverbot für die lettische Europaabgeordnete Sandra Kalniete.