Beim Knox-Räucherkerzenhersteller in Mohorn ist Weihnachten schon da. In einem bunten Duftpotpourri riecht es nach Tanne, Weihrauch, Myrrhe, Zimt, aber auch nach Pfefferkuchen und Vanille. Bei dem nach eigenen Angaben ältesten Räucherkerzenproduzenten Deutschlands laufen die Vorbereitungen für die Festtage auf Hochtouren. "Etwa 50 bis 70 Tonnen Kerzen werden im Jahr hergestellt", sagt Geschäftsführer Andreas Brodien in Mohorn.

Tradition im Erzgebirge
Sachsen ist traditionell Räucherkerzenland. Im Erzgebirge werden seit dem 19. Jahrhundert Räuchermänner gefertigt, die in alle Welt gehen. "Räucherkerzen gibt es aber schon länger", weiß Geschäftsführerin Marion Koch. Rauchopfer sind in verschiedenen Religionen bekannt, aber auch in der Medizin wurde geräuchert. In Apotheken gab es ab dem 18. Jahrhundert "Candelae fumales" - Räucherkerzen, die unter anderem zur Linderung von Atembeschwerden verordnet wurden.
Grundstoff für die Kerzen - das Gardemaß liegt bei etwa 250 Millimetern - ist Holzkohlepulver. "Die genaue Rezeptur ist aber Firmengeheimnis", sagte Koch. Dazu kommen verschiedenste Duft und Aromastoffe, die fein gemahlen und dann mit ebenfalls geheim gehaltenen Bindemitteln zu einem formbaren Teig verarbeitet werden. Daraus entstehen maschinell die Kerzen, die dann bei konstanten 38 Grad über vier Tage lang getrocknet werden. "Kerzen mit der Normalgröße brennen etwa zehn bis zwölf Minuten", sagte Koch. Nur etwas graue Asche bleibe übrig. In der kleinen Firma mit rund zehn Mitarbeitern, in der Saison kommen noch Aushilfen hinzu, entstehen Räucherkerzen in etwa 40 bis 45 Duftnoten. "Meist haben wir den richtigen Riecher", freut sich Geschäftsführer Brodien. Auch wenn manches gewöhnungsbedürftig sei, wie die Tabak- oder die leicht süßliche Opium-Kerze. "Wer Räucherkerzen herstellt, braucht viel Liebe, natürlich eine gute Nase und auch Verständnis für Technik, denn unsere Maschinen gibt es nicht von der Stange", erklärt er.

Der Konkurrenz aus Fernost - Indien und China sind traditionell auch Räucherkerzenhersteller - stellt sich die kleine sächsische Firma mit speziellen Produkten. Für Brodien ist das ganze Jahr Räucherkerzenzeit. Außerhalb der Weihnachtstage gibt es blumige und fruchtige Sorten oder auch den "Mückenblocker", der Schutz vor lästigen Insekten im Sommer bieten soll.

Verstaatlichung blieb erspart
Zu DDR-Zeiten blieb der Firma, die auf den Apotheker Hermann Eduard Zwetz zurückgeht, eine Verstaatlichung erspart. Fast 75 Prozent der Produkte gingen jedoch in den Westen, in der Heimat waren die bunten Kerzen Bückware. "Auch heute gehen noch 80 Prozent der Räucherkerzen in den Westen, jedoch an die Großhändler", sagte Brodien, der mit Koch das Unternehmen seit Mitte der 80er-Jahre führt. "Und kommen dadurch wieder zurück in die neuen Bundesländer."