"In der Grenzregion haben wir massive Umsatzeinbußen von über 50 Prozent." Die Folgen: Betriebsschließungen und Stellenabbau. Auch entlang der Grenze zu Polen, Österreich, Luxemburg und Belgien breche die Kundschaft weg. Wie viele sächsische Tankstellen seit der EU-Erweiterung 2004 aufgaben, darüber führen weder der Fachverband noch das Dresdner Wirtschaftsministerium eine Statistik. Ein Ministeriumssprecher sprach von einer "Grauzone". Selbst die Gesamtzahl der Betriebe lasse sich nicht beziffern, so der Energieinformationsdienst in Hamburg. Die Preisdifferenz zu Tschechien betrage derzeit etwa 20 bis 30 Cent pro Liter, erläuterte Fachverbandschef Wilhelm: "Für Autobesitzer lohnt es sich bei einer Entfernung zur Grenze von 30 bis 50 Kilometern, zum Tanken nach Tschechien zu fahren." In Sachsen legte der Preis für Normalbenzin, Super und Diesel nach Angaben des Statistischen Landesamts zwischen Januar 2000 und Juni 2009 um über 40 Prozent zu. Der Dieselpreis stieg um rund 45 Prozent, Super wurde um knapp 42 Prozent teurer, Normalbenzin um fast 46 Prozent. Hinzu komme, dass in den deutschen Tankshops nicht mehr eingekauft wird. Die Leute würden in den Nachbarländern noch viele weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, so Wilhelm. Schätzungen zufolge gehen dem deutschen Fiskus durch die Tanktouristen etwa 3,4 Milliarden Euro pro Jahr verloren. Aufgrund seiner hohen Steuern liegt Deutschland bei den Spritpreisen EU-weit auf Platz 23. Der Fachverband plädiere deshalb für die Abschaffung der Ökosteuer: "Es sind genau die 15 Cent Ökosteuer pro Liter, die die Grenzregionen in Schwierigkeiten bringen." Die Mineralölsteuer europaweit anzugleichen, hält Wilhelm für nicht durchsetzbar. Es sei fraglich, ob andere Länder ihre Preise dem hohen deutschen Niveau angleichen wollten.