Doch die Stadt macht aus der Not eine Tugend und will einen Sachsentag der kurzen Wege ausrichten: Gassen werden zu Partymeilen, kleine Plätze zu großen Bühnen und Parks zu lebhaften Märkten für das sächsische Vereins- und Kulturleben.
Dieter Kießling sieht den Massenandrang auch nicht als Last, sondern als Chance, die alte Industriestadt wieder zu präsentieren. "Den wirtschaftlichen Faktor darf man nicht unterschätzen", erklärt Kießling. Die Ausrichtung des Tages der Sachsen bedeute einen enormen Imagegewinn. "Wir haben Gäste aus Italien, Polen und Tschechien und erwarten eine Delegation aus China", sagt Kießling. "So ein Fest bringt einen Schub für die Popularität." Und vielleicht, so die versteckte Hoffnung, wird ein Unternehmen auch auf die freien Plätze in den Gewerbegebieten an der A 72 aufmerksam.
Der wirtschaftliche Nutzen des "Tages der Sachsen" lässt sich auch jetzt schon in Zahlen ausdrücken. Für 2,4 Millionen Euro - zumeist Fördergelder - wurden Straßen und Plätze in der Innenstadt saniert. In den vergangenen fünf Jahren flossen dafür insgesamt sogar 20 Millionen Euro. Und das ist noch nicht alles. Weitere 21 Millionen Euro fließen in die Landesgartenschau, die Reichenbach im Jahr 2009 ausrichten wird. Die Bauarbeiten laufen schon.
"Das Bild unserer Stadt verändert sich", erläutert Oberbürgermeister Kießling. Auch Stadion, Sporthallen und das Freibad wurde in den vergangenen Jahren auf den neuesten Stand gebracht, um die Stadt für Familien und für Investoren attraktiv zu machen. Dazu kommt der touristische Nutzen. Zum größten Volksfest des Freistaates hat Reichenbach 1700 Betten in der Region gebucht, weitere 3500 Gäste und Teilnehmer sind in Massenquartieren untergebracht. Insgesamt kommen mehr als 17 000 Aktive. Die Kosten von 1,2 Millionen Euro, die sich die Stadt Reichenbach die Ausrichtung des Festes kosten lässt, dürften damit gut angelegtes Geld sein.
Von dem Investitionsprogramm werde, sagt Kießling, die ganze Vogtland-Region profitieren. Ohnehin lädt die Stadt mit dem Motto "Reichenbach verbindet Regionen" gleich zu einem Vier-Länder-Fest für Franken, Tschechien, Thüringen und Sachsen ein - und dies entspricht dem Alltagsleben. Täglich pendeln mehr als 4000 Menschen aus der Stadt zur Arbeit aus und rund 3000 Menschen nach Reichenbach hinein.
Für einen speziellen Gast aus Leipzig finanziert Oberbürgermeister Kießling zum Tag der Sachsen sogar die An- und Abreise. Der ihm unbekannte Mann war versehentlich schon voriges Wochenende in Reichenbach und suchte vergeblich das Volksfest. "Wenn er dieses Wochenende wiederkommt”, sagt Kießling, "erstatten wir ihm die Fahrtkosten."