Horst Seehofer tänzelt fast auf die Bühne. Als vor seiner Rede auf dem CSU-Parteitag in einem kleinen Film Volksmusik zu hören ist, da wippt der Parteichef ein-, zweimal auf und ab, bevor er die große Bühne betritt. Er lächelt entspannt. "Auf einen Parteitag mit der Stimmung und in der Verfassung habe ich seit vier Jahren hingearbeitet", sagt er gleich zu Beginn - und ruft in die Halle: "Diese CSU ist bärenstark, sie ist wieder da."

Tänzelnd, leichtfüßig: Das ist die Stimmung in der CSU rund ein Jahr vor der Bundestagswahl und vor der bayerischen Landtagswahl. Denn so positiv gerade die Umfragewerte sind (an die 50 Prozent), so siegessicher agiert die CSU derzeit auf der politischen Tanzfläche. Und Seehofer? Dem gelingt selbst der eine oder andere Ausfallschritt und sogar - siehe Euro-Rettung - eine gewagte Pirouette ohne Sturz.

Dieser Parteitag zeigt: Horst Seehofer regiert und dirigiert seine CSU derzeit nach Belieben - die Partei folgt ihm. Und nicht nur das: Seehofer ist aktuell so unangefochten, dass er zum Schluss des Parteitags sogar lässig und gut gelaunt über seine möglichen Nachfolger spekulieren kann: Bundesagrarministerin Ilse Aigner, Finanzminister Markus Söder und Sozialministerin Christine Haderthauer zählt er auf, und auch Innenminister Joachim Herrmann - plus einen fünften "Joker". Dieser Platz aber sei derzeit unbesetzt.

Dabei macht Seehofer klar, dass er das Heft des Handelns bis 2018 in der Hand zu halten gedenkt. Dann nämlich will er definitiv aufhören - aber eben auch erst dann. Er wolle in einer "bayerischen Welturaufführung" den Übergang organisch gestalten, erklärt er. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin soll die CSU dann in die Wahl führen - aber nicht vorher das Zepter von König Horst übernehmen.

Dass Seehofer immer eine ganze Reihe möglicher Nachfolger nennt, hat nach Einschätzung von CSU-Politikern einen einfachen Grund: Der Parteichef erreicht so, dass keiner der Kronprinzen zu stark wird. Und tatsächlich halten sich die Genannten auffällig zurück. "Ich habe mich seit langer Zeit emanzipiert von solchen Debatten", sagt Söder. Haderthauer betont: "Ich will mich nicht in irgendwelche Sandkastenspielchen reinziehen lassen." Und Aigner sagt, es gebe ja keinen Monarchen in Bayern - und damit auch keine Kronprinzen. Im Übrigen macht sogar der Name Karl-Theodor zu Guttenberg in München die Runde - weil Seehofer in einem Interview auf Nachfrage ankündigt, er wolle nach den Wahlen mit Guttenberg reden und ihn für eine "maßgebliche" Aufgabe gewinnen. Für was genau? Völlig offen.

Seehofer will den Blick jetzt sowieso erst einmal auf das Wahljahr 2013 richten. Konzentriert, besonnen und bescheiden - so habe man die Chance, "das Jahr 2013 zu einem der erfolgreichsten unserer Geschichte zu machen". Er betont aber auch: "Zu Übermut besteht kein Anlass." Und doch traut sich die Parteitagsregie diesmal wieder, Filme mit dem Slogan "Bayern.CSU." zu zeigen. Auch Seehofer selbst übt sich wieder in dieser Gleichsetzung, die nach dem Wahldesaster 2008 verpönt war. "Wer Bayern liebt, muss für die CSU sein."

Andererseits hat der Parteichef offenbar erkannt, dass sich mit Pöbeleien gegen die Euro-Rettungspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) keine Wahlen gewinnen lassen. Deshalb legt er in Sachen Euro zu Beginn des Parteitags mal eben eine 180-Grad-Drehung aufs Parkett - mit völlig neuen Tönen gegenüber Griechenland. Merkel bereitet er einen Wohlfühl-Empfang. "Es war super. Dein Horst", lässt der Bayern-Regent seine Mitarbeiter später auf Facebook posten. Seehofers Schmusekurs wird von den CSU-Delegierten goutiert - und auch sein Schwenk bei der Athen-Hilfe. "Mich hat keiner kritisch angesprochen", berichtet er.

Von vielen CSU-Politikern hört man die Einschätzung, dass der enge Schulterschluss mit Merkel der CSU im Wahljahr nutzt. "Wir profitieren momentan von Berlin und nicht umgekehrt - das ist derzeit die neue Situation", sagt ein CSU-Vorstandsmitglied.

Einer freut sich über die Umfragewerte besonders: Der langjährige, aber 2007 geschasste Ministerpräsident und heutige Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber. "Ich spüre natürlich, dass das Selbstbewusstsein wieder da ist. Ich würde mich riesig freuen, wenn wir wieder an die alten Zeiten anschließen."

Seehofer aber bremst: "Ich bitte, dass wir auf dem Boden bleiben." Wohl wissend, dass Umfragen auch wieder anders aussehen können. Dann wäre es vorbei mit Tänzeln.