A u f allen Ebenen laufen die Vorbereitungen für diesen Tag X. Klar ist derzeit, dass zwischen dem Bedarf und dem Angebot in allen Bundesländern noch eine Lücke klafft. Bei den neuen Bundesländern, die schon einen hohen Ausbaustandard haben, beträgt sie zwischen fünf und zehn Prozent, in den alten Ländern zwischen zehn und zwanzig Prozent. Gut 150 000 der insgesamt vorgesehen 780 000 Krippenplätze fehlen noch. Eine Abdeckungsquote von 35 Prozent wurde den Ländern zu Beginn der Ausbauplanungen vor fünf Jahren vom Bund empfohlen, sie wurde inzwischen auf 39 Prozent erhöh t.

Die meisten Länder beachteten diese Vorgabe jedoch nicht. Oder sie schauten nur auf den Durchschnitt, nicht auf Bedürfnisse in bestimmten Gegenden. Vor allem in den Städten ist die Nachfrage meist sehr viel höher, auf dem Land schwächer. Eine genaue Übersicht über die Lage erwartet der Deutsche Städte- und Gemeindebund Anfang März 2013, wenn auch schon die Anmeldungen der Eltern für den Sommer vorliegen, sagte der Geschäftsführer, Gerd Landsberg, der RUNDSCHAU. Aber ungeachtet aller weiteren Anstrengungen sei schon jetzt klar, "dass es uns nicht überall gelingen wird, ausreichend Plätze zur Verfügung zu stellen". Was passieren kann, wenn Eltern klagen, wurde jüngst an einem Fall in Mainz deutlich. In Rheinland-Pfalz gilt der Rechtsanspruch für zweijährige Kinder schon länger. Die Stadt wurde verurteilt, einer betroffenen Mutter die Kosten für eine private Betreuung zu erstatten: 2187 Euro für ein halbes Jahr.

Die Kommunen fürchten nun eine Klage- und Kostenlawine und fordern die Einrichtung eines Hilfsfonds. Der Städte- und Gemeindebund lässt derzeit ein Gutachten erstellen: Was bedeutet der im Gesetz formulierte "Anspruch auf eine frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder Tagespflegestelle" konkret, und wie kann er erfüllt werden, wenn die Eltern darauf pochen?

Die Antworten reichen von einer "pauschalen Entschädigung" für eine Ersatzbetreuung bis zur Zuweisung in eine weiter entfernte Krippe oder zu anderen als den gewünschten Betreuungszeiten. "Die Kommunen erwarten von Eltern auch eine gewisse Flexibilität", sagte Landsberg. In einem zehn Punkte umfassenden Aktionsprogramm, das der RUNDSCHAU vorliegt, empfiehlt der Städte- und Gemeindebund darüber hinaus eine kurzfristige Ausbildungsinitiative für Erzieher und Tagesmütter und eine Absenkung von Standards bei den Raumgrößen und Grundstücksflächen. Auch sollten "für eine begrenzte Zeit" zusätzliche Kinder in Gruppen aufgenommen werden, heißt es.

Das alles sind freilich Ideen, für die vorher Landesgesetze geändert werden müssten. "Ich sehe schon die Container-Dörfer vor mir", sagte ein Ministerpräsident eines Bundeslandes, der nicht genannt werden wollte, gegenüber der RUNDSCHAU sarkastisch zu solchen Forderungen.

Der nahe liegende Weg, einfach genügend Plätze anzubieten, scheint hingegen nicht mehr erfüllbar. Kurzfristig hatte der Bund weitere 580 Millionen Euro angeboten, um die Ziele noch einzuhalten. Doch die Länder verweigern bisher die Annahme des Geldes. Sie wollen von Familienministerin Kristina Schröder zusätzlich Mittel für den Betrieb dieser neuen Krippen. Im Moment hängen die Verhandlungen. Und täglich werden ungefähr 1750 neue Klagegründe gebore n.