Gibt es derzeit eine bedrohliche Mückenplage?
Mückenplagen traten auch in früheren Sommern auf. Diesmal kam das Hochwasser hinzu. Überall dort, wo das Wasser abzieht, in den Havelpoldern oder im Elbe-Elster-Gebiet, bleiben kleine Wasserflächen zurück. Das sind ideale Brutstätten für Mücken. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es zurzeit außergewöhnlich viele Mücken. Das hängt mit den gleichen Regenfällen zusammen, die auch zum Hochwasser geführt haben.

Ist ein Ende der Plage in Sicht?
Leider nicht. Wenn es weiter so warm bleibt, verschärft sich die Lage. Bei normaler Witterung brauchen Mücken durchaus drei Wochen zur Entwicklung. Bei Temperaturen über 25 Grad schaffen sie es in zehn Tagen. Dann fliegen mehrere Generationen gleichzeitig. Die gute Nachricht: Bisher sind wir vor einer noch unangenehmeren Insektengruppe verschont geblieben, den Kriebelmücken.

Was sind das für Mücken?
Im Gegensatz zu den Stechmücken, die mit ihrem winzigen Stechrüssel Blut saugen, raspeln sie mit ihren Mundwerkzeugen die Haut ab. Aus den Wunden lecken sie dann das Blut. Die Opfer leiden unter Blutergüssen, die unerträglich jucken. Kriebelmücken sind in der Vergangenheit besonders entlang der Oder massenhaft aufgetreten. Aktivitäten im Freien haben sich dann erledigt.

Wie kann man denn gegen diese Mückeninvasion vorgehen?
Am Oberrhein wird seit vielen Jahren versucht, mit biologischen Mitteln etwas gegen Mückenlarven zu tun. Der Erfolg wird unterschiedlich wahrgenommen. Dazu ist der finanzielle Aufwand sehr hoch. Beim Oberrhein handelt es sich um eine überschaubare Fläche. Ob man ein ganzes Land wie Brandenburg mit Insektengiften besprühen kann, bezweifle ich. Außerdem müsste der Einsatz gegen die Larven lange vorher geplant werden. Sind die Mücken erst da, ist es bereit zu spät.

Haben Sie einen besonderen Tipp, um der Plage Herr zu werden?
Im Garten können sich in offenen Wassertonnen oder gefüllten Eimern und Gießkannen sehr schnell Hunderte Mückenlarven entwickeln. Also: Alle Gefäße innerhalb von zehn Tagen mindestens einmal leeren. Das erspart viele Mückenstiche.

Mit Matthias Freude sprach Gudrun Janicke, dpa

Zum Thema:
Im von Hochwasser-Mücken geplagten Sachsen-Anhalt will sich jetzt der Landtag für eine bessere Mückenbekämpfung starkmachen. Geplant sei ein fraktionsübergreifender Antrag, teilten die Fraktionen am Dienstagabend mit. Unklar ist bislang, mit welchen Mitteln der großflächigen Mückenplage beizukommen sei. In Brandenburg forderte der Lausitzer CDU-Abgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführer, Ingo Senftleben, die Landesregierung auf, Kommunen und Landkreisen bei der Bekämpfung der Mückenplage zu helfen. Zudem solle Gesundheitsministerin Anita Tack (Die Linke) über Maßnahmen zum Schutz gegen Mücken sowie über mögliche Gefahren der Larven des Hundehautwurms in Stechmücken aufklären. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hatte Dienstag jüngste Forschungsergebnisse vorgestellt. Wissenschaftler sammelten 75 000 Stechmücken an 55 Orten in neun Bundesländern. In drei Arten aus Brandenburg entdeckten sie Larven des Hundehautwurms. In seltenen Fällen könnten Mücken die Infektion auf Menschen übertragen und etwa eine Hirnhautentzündung auslösen. Bisher seien jedoch keine in Deutschland erworbenen Infektionen bekannt, hieß es. pm/uf