Der Ärztemangel auf dem Land erfordert nach Überzeugung von Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) eine noch engere Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern. „Da sind alle Potenziale zu nutzen“, sagte Tack am Montag in Potsdam. Das Zusammenspiel zwischen Ärzten und Kliniken müsse weiter vertieft werden, um eine flächendeckende medizinische Versorgung sicherstellen zu können. Das geplante „Versorgungsstrukturgesetz“ von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) böte dafür Chancen, so Tack. Es reiche aber nicht aus.

Die Ministerin forderte erneut eine attraktivere Aus- und Weiterbildung für Hausärzte. Auch höhere Honorare seien denkbar für Praxen in unterversorgten Regionen. Finanzielle Anreize sieht auch der Berliner Gesetzesentwurf vor. Die Branche fordert vor allem eine andere Bedarfsplanung: In Brandenburg habe ein Arzt zehn bis 15 Prozent mehr Patienten zu versorgen als dies im Bundesdurchschnitt der Fall sei, so die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Das Problem ist alt: Demografischer Wandel und Einwohnerschwund in dünn besiedelten Regionen der Mark sorgen für lange Wege oder Wartezeiten bei den Patienten. „Wir sind der Anker in der Region“, so Jens-Uwe Schreck von der Landeskrankenhausgesellschaft. „Wenn kein Arzt da ist, dann suchen die Menschen Hilfe in der Notaufnahme.“ Aus seiner Sicht ist jedoch ein Limit erreicht. „Wir können nichts mehr kompensieren.“ Derzeit seien 170 Stellen in den Kliniken unbesetzt. Mit Werbung – beispielsweise auch in Österreich – werde versucht, das Interesse vom Nachwuchs zu wecken.

In den Praxen auf dem Land sieht es nicht besser aus. Es fehlen etwa 170 Haus- und 15 Fachärzte. Nicht nur die Patienten werden älter, auch die Mediziner. Knapp 30 Prozent sind älter als 60. In wenigen Jahren werden diese Praxen schließen.

Ein Dilemma, dem Brandenburg mit verschiedenen Modellen versucht zu trotzen. So startete jüngst das erste flächendeckende Telemedizin-Netzwerk zur besseren Versorgung von Herzpatienten. Kliniken in Cottbus und Brandenburg/Havel arbeiten dabei mit Hausärzten und Kardiologen zusammen.

Um Mediziner für Brandenburg zu begeistern, fördert die KV seit 2009 Studenten bei der Ausbildung: 3500 Euro gibt es monatlich, plus der Hilfe bei der Organisation von Praktika.