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T-Mobile suspendiert Ullrich vor Tour-Start

Jan Ullrich wird nicht bei der morgen beginnenden Tour de France starten. Der Profi-Radrennstall T-Mobile hat neben dem T-Mobile-Star auch Oscar Sevilla sowie Ullrichs Betreuer Rudy Pevenage mit sofortiger Wirkung suspendiert. dpa / jas

Deutschlands Jahrhundert-Radsportler Jan Ullrich steht vor dem Scherbenhaufen seiner einmaligen Karriere. Für den 32 Jahre alten Tour-de-France-Gewinner von 1997 ist der Traum vom zweiten Triumph bei der größten Radrundfahrt der Welt nach der Suspendierung durch sein T-Mobile-Team geplatzt.

Der Hammer fiel heute kurz nach halb Zehn im feinen Golfclub von Plobsheim im Elsass: Jan Ullrich, der Spanier Oscar Sevilla und der sportliche Leiter Rudy Pevenage wurden wegen ihrer möglichen Verwicklung in den spanischen Doping-Skandal mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgebootet und werden nicht am Start der 93. Tour de France stehen, die am Samstag in Straßburg beginnt. Der in Dopingverdacht geratene Ullrich hatte sich fest vorgenommen, die Tour im Jahr eins nach Lance Armstrong zum zweiten Mal zu gewinnen.

"Als wir heute morgen ein Fax des Tour-Veranstalters ASO mit den Namen der Fahrer, gegen den die spanische Polizei ermittelt, erhalten hatten, mussten wir reagieren. Die neuen Erkenntnisse reichen aus, dass wir sagen: Es ist unmöglich, mit den drei weiter zu arbeiten. Wir haben jetzt begründete Zweifel an den deren Unschuldsbekundungen, mit der Affäre nichts zu tun zu haben. Selbstverständlich werden Ullrich, Sevilla und Pevenage die Möglichkeit haben, ihre Unschuld zu beweisen", erklärte Christian Frommert, der Kommunikations-Leiter von T-Mobile in Plobsheim, wo die Bonner eine stimmungsvolle Einstimmung auf die kommende Tour geplant hatten.

Eine DNA-Analyse von Ullrich sei laut T-Mobile-Sprecher Luuc Eisenga jetzt eine Möglichkeit, die Unschuld zu beweisen. Die spanischen Ermittler haben Indizien, dass Ullrich und Sevilla mit roten Blutkörperchen angereichertem Blut manipuliert haben könnten. In der Praxis der Mediziner Eufemiano Fuentes und Merino Batres, gegen die die spanischen Polizei ermittelt, waren Blutbeutel und Unterlagen gefunden worden, die auf Ullrich hinwiesen.

Ob und wie der ebenfalls verdächtigte Tour-Favorit Ivan Basso (Italien) beziehungsweise dessen Team CSC reagiert, war am Morgen noch nicht bekannt. Wenn die Tour-Direktoren zustimmen, sollen Stephan Schreck (Erfurt) und Lorenzo Bernucci (Italien) Ullrich und Sevilla im Tour-Team von T-Mobile ersetzen.

"Ich glaube, Jan wollte nach einem möglichen Toursieg seine Karriere sowieso beenden. Jetzt muss er es eben drei Wochen früher tun", sagte seine ehemaliger Team-Kollege und Eurosport-Kommentator Jens Heppner, der 1997 mithalf, Ullrich zum Toursieger zu machen. Zur selben Zeit fuhr auch Rolf Aldag an Ullrichs Seite. "Das ist jetzt natürlich ganz hart, aber vielleicht auch eine Chance für den Radsport, richtig aufzuräumen. Wenn man fünf Millionen verdient, ist die Neigung vielleicht größer, große Risiken auch für die eigene Gesundheit einzugehen. Ich glaube, das der Radsport jetzt größere Lehren aus dieser Affäre zieht, als er es 1998 nach dem Tour-Skandal tat", sagte Aldag, der für das ZDF kommentiert.

Die neun für die Tour vorgesehenen T-Mobile-Fahrer waren im Mannschaftsbus gerade auf dem Weg vom Teamhotel nach Plobsheim, wo rund 200 Journalisten warteten. Die Fahrer erfuhren telefonisch von der für sie schockierenden Entscheidung des Sponsors. Sie drehten sofort um Richtung Teamhotel "Au Bouef", das bereits von Reportern belagert wurde. Erst nach erbrachtem "Beweis der Unschuld" (Pressesprecher Stefan Wagner) sei eine Vertragverlängerung des zum Ende des Jahres auslaufenden Ullrich-Kontraktes diskutabel.

Der 32-jährige Kapitän verdient bei T-Mobile pro Saison schätzungsweise rund 2,5 Millionen Euro. Dazu hat er mehrere lukrative Werbeverträge, die jetzt sicher einer besonderen Prüfung unterliegen.