Ihre Erklärung, als Oberbürgermeister kandidieren zu wollen, kam für viele überraschend, zumal bereits eine Kandidatin im Gespräch war. Was macht Sie zum besseren Kandidaten vor Martina Münch?
Die Frage stellt sich nicht. Martina Münch hat im Abwahlkampf gesagt, dass sie bereitstehen würde. Sie hat immer gesagt, dass ich der beste Kandidat für die Stadt wäre - mit meinen Erfahrungen in der Kommunal- und Landespolitik. Auch könnte mit mir das Sich-Versöhnen mit der Stadt gelingen. Es gibt keinerlei Konkurrenz zwischen uns beiden. Im Gegenteil, sie begrüßt meine Kandidatur.

Aber sie hält Sie für den besseren Kandidaten?
Das hat sie immer gesagt. Ich habe allerdings eine Zeit gebraucht, um meine Entscheidung zu treffen. Das kann man kritisieren. Aber man muss den Menschen auch die Möglichkeit geben, Entscheidungen reifen zu lassen. Es war ja auch so, dass dieses Parteien übergreifende Bündnis gemeinsam die Abwahl vorangebracht hat. Da gab es natürlich auch die Idee zu sagen, es gibt auch einen gemeinsamen Kandidaten. Das ist erst recht nicht alltäglich im politischen Leben: ein Bündnis für Abwahl und dann mit einem von allen gemeinsam getragenen Kandidaten. Ich habe natürlich auch gemerkt, dass wir Diskrepanzen und Missstimmungen in den vergangenen Tagen hatten. Da war die SPD nicht unbeteiligt. Da habe ich in dieser Zeit ein Stückchen mitgelitten.

Im Abwahlkampf wurden Sie ja bereits als dieser überparteiliche Kandidat gehandelt, sind aber auf dieses Angebot nicht eingegangen. Haben Sie damals angesichts des unsicheren Ausgangs das Risiko gescheut?
Es geht nicht um Risiko. Wir haben jetzt eine Situation in der Stadt, bei der es darum geht, nach vorn zu schauen und zu sagen, wie wir uns neu aufstellen werden. Wir müssen es Energie Cottbus gleich machen und versuchen, als zweitgrößte Stadt in Brandenburg politisch und wirtschaftlich in der ersten Liga zu spielen. Wir müssen unsere Potenziale benennen. Zudem wird mir nachgesagt, dass ich Integrationsfähigkeiten habe und diese brauchen wir jetzt.

Sie reden von versöhnen und von Scharmützeln zwischen den Parteien, an denen die SPD nicht unschuldig ist. Sehen Sie sich schon als Konsenskandidaten?
Nein, zum jetzigen Zeitpunkt bin ich das nicht. Die Wähler entscheiden. Ich habe heute alle Fraktionen und Vereine persönlich angerufen und meine Entscheidung zur Kandidatur mitgeteilt. Dies war mir wichtig. Zu Gesprächen über eine Zusammenarbeit bin ich gern bereit.

Sie waren ja schon bei der OB-Wahl 2002 als möglicher Kandidat im Gespräch. Damals hieß es, Sie seien nicht abkömmlich in der Landesregierung. Sind Sie jetzt entbehrlich?
Es ist meine persönliche Entscheidung zu sagen, ich stehe für meine Heimatstadt zur Verfügung. Es ist auch eine Herzensentscheidung zu sagen, dass man dann das Ministeramt auch abgibt für eine Oberbürgermeister-Arbeit, die sicherlich nicht einfach ist.

Was reizt Sie denn an dem Job?
Es geht nicht um einen Job. Ich glaube, wir wissen alle, was die Stadt in ihrer Entwicklung hemmt. Wir kennen die Stimmung und die Erwartungen. Wir brauchen eine Positiv-Diskussion in der Stadt: zu den Potenzialen, zur Bedeutung der Stadt in der Region und auch im Land Brandenburg. Cottbus wird zu wenig in der Landesbewertung als zweitgrößte Stadt wahrgenommen. Wir haben wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle und touristische Potenziale, die wir ganz einfach besser verwerten müssen. Und es geht auch darum, die Stadt für einen erfolgreichen Wettbewerb zu präsentieren. Das trau' ich mir zu.

Kann es nicht dann auch ein Nachteil sein, wenn Sie als Lausitzer Stimme in Potsdam fehlen?
Ich möchte, das die Stimme von Cottbus in Potsdam mehr Gehör findet. Dafür werde ich mich einsetzen. Dietmar Woidke, Martina Münch und bei einer erfolgreichen Wahl von mir auch Kerstin Kircheis sind dann unsere Stimmen in Potsdam.

Es wird ja inzwischen von manchem über Modelle geredet, nach denen Frau Ziegler an Ihre Stelle im Infrastruktur-Ministerium rücken und Frau Münch das Sozialministerin übernehmen könnte. Ebnen Sie Martina Münch mit ihrem Weg nach Cottbus den Weg nach Potsdam?
Über meine Nachfolge entscheidet der Ministerpräsident. Und das steht zurzeit nicht an.

Wird ein möglicher OB Szymanski mit dem Beigeordneten Kelch zusammenarbeiten?
Das steht für mich außer Frage. Übrigends sind die Fragen der SPD zum Hauskauf beantwortet, ich sehe da keinen Klärungsbedarf mehr.

Was wird sich praktisch für Sie in den nächsten Wochen ändern?
Auf der einen Seite werde ich meine Arbeit als Minister und Landtagsabgeordneter weiter erfüllen und auf der anderen Seite als Wahlkämpfer in Cottbus mehr präsent sein.

Mit FRANK SZYMANSKI
sprachen Dieter Schulz, Tim Albert,
Thoralf Schirmer und
Sybille von Danckelman