Die neuen Eigentümer, die das SVZ vor einem halben Jahr kauften, müssen nun eine elf Millionen Euro teure Entstickungsanlage bauen. Gegen die frühere Geschäftsführung ermittelt die Staatsanwaltschaft Bautzen.
Das SVZ wirbt seit Jahren damit, durch die Vergasung und Weiterverarbeitung von Abfällen zu Methanol und Strom etwas für die Umwelt zu tun. Beim Betrieb der Anlagen ging es jedoch längere Zeit nicht sehr umweltbewusst zu. Nach Unterlagen, die der RUNDSCHAU vorliegen, überschritt das aus der Anlage in die Luft geblasene Stickoxid über einen längeren Zeitraum den in der Betriebsgenehmigung festgelegten Grenzwert. Eine gesundheitliche Gefahr für Anwohner bestand jedoch nach Angaben des Dresdner Regierungspräsidiums nicht. Sonst wäre die Anlage sofort stillgelegt worden. Das Regierungspräsidium ist für das SVZ zuständig, weil sich der Firmensitz in Spreetal auf sächsischer Seite der Landesgrenze zu Brandenburg befindet. Weil die Überschreitungen der festgelegten Grenzwerte jedoch „beträchtlich“ gewesen seien, erstattete die Behörde bei der Staatsanwaltschaft Bautzen Strafanzeige. Dort wurde deshalb im Oktober vorigen Jahres ein Ermittlungsverfahren gegen die frühere Geschäftsführung eingeleitet. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Claus Bogner. Grundlage des Verfahrens seien vorliegende Messungen des Staatlichen Umweltfachamtes in Bautzen.
Diese Messungen hatten im vorigen Sommer auch die Aktivitäten des Regierungspräsidiums ausgelöst. Zur selben Zeit wurde das SVZ von den Berliner Wasserbetrieben an die Oresto, ein Unternehmen, das zur Nord GB gehört, verkauft. Der Eigentümerwechsel zog auch einen Geschäftsführerwechsel nach sich.

Kenntnis erst nach Übernahme
Hans-Joachim Sander, neuer Chef des SVZ, versichert, dass die Überschreitung der vorgeschriebenen Stickoxidwerte erst nach der Übernahme der Firma bekannt geworden seien.
Mit der Forderung, dass nicht mehr Stickoxid in die Luft geblasen werden dürfe, als in der Betriegsgenehmigung steht, sei das Regierungspräsidium hart geblieben. „Man hat uns als neuen Betreibern aber eine gewisse Zeit eingeräumt, über die Situation nachzudenken“ , sagt Hans-Joachim Sander. Immerhin hingen am SVZ mehr als 300 Arbeitsplätze.
Zu möglichen Ursachen will sich Sander nicht äußern, weil die die Zeit seines Vorgängers betreffen. Dass die Probleme mit der Verwertung bestimmter Stoffe, zum Beispiel der Teerablagerungen aus Zerre, zusammenhängen könnten, schließt er jedoch aus. Die Überschreitung der Stickoxidgrenzwerte sei aber abhängig von Witterung und Fahrweise der Anlage und noch nicht beseitigt.
Das SVZ habe sich deshalb, so Sander, nach längerer Aus-einandersetzung mit den Behörden dazu entschlossen, für etwa elf Millionen Euro eine Entstickungsanlage zur Reinigung der Abgase nachzurüsten. Morgen soll dazu der Antrag beim Regierungspräsidium Dresden eingereicht werden.
Ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist, steht nach Auskunft von Hans-Joachim Sander noch nicht fest. Das Genehmigungsverfahren könnte zum Jahresende abgeschlossen sein, 2005 könnte die zusätzliche Abgasreinigung dann in Betrieb gehen, so bisherige Planungen. Bis dahin sollen weitere Maßnahmen die Problematik „abschwächen“ .
Bei den Berliner Wasserbetrieben, bis vorigen Sommer Eigentümer des SVZ, will man von den Problemen bis vor wenigen Monaten nichts gewusst haben. „Das ist uns erst vor einiger Zeit durch den neuen Erwerber bekannt geworden“ , versichert Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe. Der damalige Geschäftsführer, Thomas Obermeier, habe das dem Gesellschafter nicht mitgeteilt.

Zu ehrgeizige Angaben
Obermeier widerspricht: „Das hat jeder gewusst.“ Die Grenzwerte, die in der Betriebsgenehmigung festgelegt wurden, seien auf Grund zu ehrgeiziger Angaben des Anlagenbauers zustande gekommen, sagt der frühere SVZ-Chef. Im Klartext: Der Hersteller bestimmter Aggregate habe technische Daten zugesichert, die sich in der Praxis als nicht realistisch erwiesen hätten.
Schon als er im Oktober 1998 als SVZ-Geschäftsführer anfing, so Obermeier, habe das Pro-blem mit den Stickoxidwerten bestanden. „Wir haben versucht, das in den Griff zu bekommen“ , versichert Obermeier, „ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Ein Gutachten, das deshalb in Auftrag gegeben wurde, sei jedoch noch nicht fertig gewesen, als er seinen Schreibtisch im vorigen Sommer geräumt habe.

Das SVZ im Internet: http://www.svz-gmbh.de/