Gestern mehrten sich die Anzeichen, dass am 30. August 2009 - just zu Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs - im Saarland, Thüringen und Sachsen drei Landtage auf einen Schlag gewählt werden. Das Rennen um die Macht wird durch die Resultate und ihre Nachwehen nicht unbeeinflusst bleiben. Vor allem die Union erhofft sich, von der Entzerrung der Landtagswahlen und der Abstimmung im Bund zu profitieren. Die SPD könnte hingegen in eine Zwickmühle geraten.
Vor allem aus dem Saarland war zuletzt zu hören, dass Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach einem geeigneten separaten Wahltermin sucht. Es war von Überlegungen die Rede, die Wahl an der Saar auf den Frühsommer vorzuziehen. Das wäre wegen des gesetzlich vorgeschriebenen Zeitfensters für den Wahltermin aber nur schwer möglich gewesen. Nun will Müller, wie es gestern hieß, am 30. August seine Landsleute in die Wahlkabinen bitten. Diesem Termin dürfte sich, so ist aus der Union zu hören, demnächst Thüringens Regierungschef Dieter Althaus (CDU) anschließen. Auch Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) hat sich wohl intern für den August-Termin ausgesprochen. Er muss aber noch den Koalitionspartner SPD überzeugen.

Nebenaspekt des Showdowns
Die Unions-Fürsten sind für einen entkoppelten Wahltermin, weil sie die Abstimmung in ihren Ländern zu "echten" Landtagswahlen machen wollen - und nicht zu einem Nebenaspekt des Showdowns ums Kanzleramt. Sie sehen bei zwei Terminen verbesserte Wahlchancen. In allen drei Ländern gelang es bei den Landtagswahlen der Union besser als der SPD und der übrigen politischen Konkurrenz, ihre Anhänger zu mobilisieren. Die CDU- und CSU-Wähler sind nach wie vor treuere Wahlgänger als die Klientel von SPD und Grünen.
Zwar spielen bei Landtags- und Bundestagswahlen auch andere Faktoren eine Rolle, doch zeigt ein Vergleich der Ergebnisse der vergangenen Landtagswahlen 2004 und der Unions-Resultate bei der Bundestagswahl 2005, dass die Ministerpräsidenten berechtigten Anlass zur Sorge haben: In Thüringen erreichte die CDU noch 43 Prozent der Stimmen, kam ein Jahr später im Bund aber nur auf schlappe 25,7 Prozent. Ein ähnliches Bild im Saarland: Die Union fuhr dort mit rund 47 Prozent die absolute Mehrheit im Landtag ein, um dann 2005 hinter der SPD mit nur 30 Prozent zu landen. Nur in Sachsen blieb die Union bei der Bundestagswahl vorn, wobei das Resultat klar unter dem der Landtagswahl lag.
Auch in der Union ist man sich aber bewusst, dass reine Landtagswahlen leichter zu Protestwahlen werden können als eine Bundestagswahl. Das könnte den Linken nutzen - und der SPD noch mehr schaden.
Für die Union und ihren Bundestagswahlkampf ist - das wird von den Vordenkern in der Partei auch eingeräumt - der Superwahlsonntag daher nicht ohne Risiko. Müller und Althaus könnten trotz der traditionell besseren Ausgangslage bei reinen Landtagswahlen ihre absolute Mehrheit verlieren, umgekehrt SPD und Linke im Saarland und Thüringen stärker werden als die "Schwarzen".

Blick zu SPD und Linken
Zu Beginn der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs könnte dann die Schlagzeile lauten: "Die Union im Abwind". Aber getreu dem Motto, wonach auch das Schlechte sein Gutes hat, glaubt die Union aus rechnerisch möglichen rot-roten Mehrheiten Honig saugen zu können. Das Argument: Käme aus den beiden Ländern von SPD und Linken Bündnis-Signale, wäre es für die Union ein Leichtes, die SPD-Haltung im Bund zu attackieren, dass es dort keineswegs zu einer Verbindung mit den Linksaußen von Parteichef Oskar Lafontaine kommen werde. Rot-rote Techtelmechtel im Saarland und Thüringen würden zudem die Unions-Anhänger im Bund mobilisieren, am 27. September zur Wahl zu gehen, lautet die Hoffnung in der CDU-Zentrale.