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| 02:49 Uhr

Superstar der Lüfte landet in der Lausitz

Der Luftfahrtkonzern Airbus will sein Transportflugzeug A400M auf dem Flugplatz Cottbus/Drewitz testen.
Der Luftfahrtkonzern Airbus will sein Transportflugzeug A400M auf dem Flugplatz Cottbus/Drewitz testen. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Sie wurde erwartet wie ein Filmstar. Und genau wie eine Diva ließ sie die Schaulustigen warten. Nur einen kleinen Unterschied gab es. Der Teppich, auf dem die schwergewichtige Dame in Grau am Dienstag auf dem Flugplatz Drewitz empfangen wurde, war grün und nicht rot. In den nächsten Tagen wird Airbus Military seine Militärtransporter A400M in Drewitz dem Praxistest unterziehen. Nicole Nocon

Es ist heiß am Dienstag in Drewitz. Das Warten auf den Superstar der Lüfte wird zur schweißtreibenden Angelegenheit. Wer die Landung der A400M mit eigenen Augen sehen will, muss geduldig sein. Bereits für Montag war ihre Ankunft angekündigt gewesen. Und auch am Dienstag müssen die vielen Schaulustigen, die seit den Morgenstunden in Stellung liegen, wieder warten. "Wer hier eine Frittenbude hingestellt hätte, würde heute ein Bombengeschäft machen", meint eine der Neugierigen lachend. Das Bistro im Terminal ist in den nächsten Tagen für Normalsterbliche tabu. Auch von der Presse wird nur durchgelassen, wer sich ausweisen kann .

Wer schlau war, hat sich von zuhause kühle Getränke mitgebracht. Hans Jurk war noch schlauer. Er hat neben der Limo auch den Campingstuhl eingepackt und sich ein Schattenplätzchen gesucht. "Eigentlich interessieren mich Oldtimer. Aber ein neues Transportflugzeug von dieser Größe wollte ich mir nicht entgehen lassen", sagt der Cottbuser.

Gegen 14 Uhr werden die Zuschauer unruhig. Es heißt, die A400M sei kurz vor Drewitz. Die Kameras werden scharfgemacht, Objektive von enormen Ausmaßen aufgesteckt. Unter den Schaulustigen sind auch Experten, Luftfahrt-Spotter wie Klaus Trietz. Der Berliner reist durch die ganze Welt, um Flugzeuge zu fotografieren. "Mich reizen die Raritäten und Neuheiten", erzählt der Berliner. Dass er am Montag unverrichteter Dinge wieder abziehen muss, stört ihn wenig. "Ich komme wieder. Ich bin schon 1000 Kilometer gefahren, nur um ein Flugzeug zu fotografieren. Und kürzlich sogar bis nach Malaysia zu einer Flugschau", erzählt er.

Inzwischen ist es kurz nach 14 Uhr. Im Terminal werden Interviews geführt. Das Interesse an dem Ereignis und dem neuen Militär-Airbus ist groß. "Das Besondere an der A400M ist ihre Multifunktionalität. Sie kann Kampfjets in der Luft betanken und eine Nutzlast von 37 Tonnen transportieren. Der vier Meter breite und hohe sowie knapp 18 Meter lange Frachtraum ermöglicht den Transport übergroßer Güter. Es lassen sich zum Beispiel 116 Fallschirmspringer mit voller Ausrüstung oder zwei je 17 Tonnen schwere Radpanzer befördern", erklärt Norbert Kolvenbach von Airbus Military den Journalisten. Die Maschine, die in ihrem Außenmaß den Airbus-Großraumflugzeugen entspricht, könne für militärische Zwecke und in der Katastrophenhilfe eingesetzt werden. Darüber hinaus sei die A400M dank ihrer Landefähigkeiten auch das einzige Transportflugzeug, das Frachten direkt ins Einsatzgebiet befördern kann. "Das für Schotter-, Kies- und Sandpisten ausgelegte Fahrwerk befähigt die A400M sogar zu Start-und Landemanövern auf kurzen, unbefestigten Pisten", sagt Kolvenbach. "In den kommenden Tagen werden wir in Drewitz testen, wie die Maschine auf einer Graspiste landet. Über jeden Fehler, den wir erkennen, sind wird dankbar, weil wir ihn dann noch beheben können, bevor die Maschine an die Bestellnationen ausgeliefert wird", betont er. Ausgesucht worden sei Drewitz aber nicht von Airbus, sondern vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung.

Norbert Kolvenbach hat kaum ausgesprochen, da schwebt die A400M plötzlich heran. Sanft und viel leiser als erwartet. Es ist 14.14 Uhr. Die Kameras werden hochgerissen. Die A400M scheint sich der vielen bewundernden Augen bewusst zu sein. Sie dreht eine Ehrenrunde, bevor sie sanft auf der Graspiste aufsetzt. "Schön, schön", haucht ein grauhaariger Herr. Es liegt viel Gefühl in seiner Stimme. Warum wird er später erzählen. Jetzt hat er es eilig.

Wer akkreditiert ist, darf hinaus an den Rand des Rollfeldes. Flugplatzchef Hartmut Müller, einige Offizielle und die Peitzer Teichnixe in ihrer rosa Robe nehmen Aufstellung. Ein Präsentkorb sowie Brot und Salz werden dem Empfangskommittee gereicht. Immer näher rollt der Airbus heran. Die vier Turboprop-Triebwerke dröhnen jetzt laut. Dann kommt die Maschine vor dem Terminal zum Stehen. Der britische Pilot Edward Strongmann steigt als Erster aus, gefolgt von seiner internationalen Crew.

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Gut gelaunt lassen sich die Männer in den Overalls die Willkommenszeremonie gefallen, dippen Brotecken in den Salznapf und plaudern mit den Umstehenden. "Die Landung lief problemlos. Zwei Stunden und zwanzig Minuten waren wir von Toulouse hierher unterwegs", sagt Crew-Mitglied Gert Wunderlich, der für die Testreihen verantwortlich ist.

Unter den Zuschauern auf dem Rollfeld ist auch der grauhaarige Herr, der seinen Namen nicht verraten will, nur dass er die Entwicklung der Triebwerke der A400M begleitet hat. "Dieses Flugzeug ist zu einem gewissen Teil auch Made in Brandenburg. In Ludwigsfelde steht der größte Wellenleistungsprüfstand. Dort wurden die Triebwerke von Rolls Royce mitentwickelt. Wer wissen will, warum sie in Brandenburg nicht auch in die Serienproduktion gegangen sind, muss in Potsdam nachfragen", sagt er. Seine Bitterkeit ist nicht zu überhören .

Von Bitterkeit ist bei Flugplatzchef Hartmut Müller nichts zu spüren. In den Augen des Geschäftsführers der Flughafen Süd-Brandenburg-Cottbus GmbH sind die A400M-Tests eine große Chance. Um optimale Bedingungen zu schaffen, wurde die Start- und Landebahn um 400 Meter verlängert. "Dass Airbus hier testet, hat eine große Außenwirkung. Wenn alles gut läuft, hoffen wir, dass sich das rumspricht. Es wäre toll, wenn auch die Tests für die nationale Zulassung in Drewitz durchgeführt würden", sagt Müller .

Zum Thema:
Der Airbus A400M ist ein militärisches Transportflugzeug, das von der Airbus-Tochter, Airbus Military, in Spanien gebaut wird. Die 45 Meter lange Maschine mit einer Flügelspannweite von 42 Metern hat die Dimension eines Airbus-Großraumflugzeugs. 174 Maschinen sind fest bestellt. 170 gehen an Nato-Länder, davon 53 an Deutschland. Vier A400M hat Malaysia bestellt. Über den Preis schweigt Airbus.