"Ihr seid überpünktlich, ich mache uns erstmal einen Kaffee." Mit diesen Worten empfängt uns Jörg Thiele in seinem Haus in Werben - und die Chemie stimmt sofort. Keine Starallüren, obwohl er in den vergangenen Wochen durch die Kochshow "The Taste" auf Sat.1 immer mehr Berühmtheit erlangt und inzwischen sogar das Finale erreicht hat. Thiele wirkt total natürlich, ungezwungen, ein dufter Kerl von nebenan. Wir sind sofort beim Du.

Kann der Mann wirklich so gut kochen, wie in der Sendung behauptet wird? Kann er auch uns überzeugen? Und hat er das Zeug für den finalen Sieg am Mittwochabend? Wir sind gespannt - und treten ein in sein Heiligtum, die Küche des Hauses.

"Ich habe mir zwei Gänge für euch überlegt, die ich in 20 Minuten herstellen möchte", sagt der 38-Jährige, der nicht nur Koch, sondern zugleich Gastro-Berater, Rezeptentwickler und Food Stylist ist. "Ich nenne es Spreewald-Gourmet-Quickie". Klingt so exotisch wie regional. Schon bei der Ankündigung läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Gebackene Grützwurst mit Blitzsauerkraut, Speckchip und Senf aus dem Spreewald als Hauptgericht. "Und als Dessert reiche ich ein Nasch mich mit einer sprudelnden Spreewald-Weintraube, kombiniert mit in Vanillezucker ummantelten Butterwürfeln." Man merkt sofort, Regionales ist bei ihm Trumpf, und er legt Wert auf Beschreibungen seiner Gerichte, die wie Musik klingen.

Seine Küche ist aufgeräumt, beim Kochen setzt er auf Ordnung. "Das ist alles eine Strukturfrage. Ich will nach dem Essen nicht mehr Zeit für das Aufräumen als für das Kochen selber aufwenden", sagt Thiele, während das Messer durch das Spitzkraut rast. Ein paar Minuten später ist der Speck im Backofen, die Fenster sind beschlagen, und der Duft von gebackener Grützwurst zieht durch die Wohnung. Status der Küche: abenteuerlich.

Abenteuerlich ging es auch zu bei der Bewerbung für die Sat.1-Kochshow, die er auf Empfehlung eines Kollegen einreichte. Thiele musste zahlreiche Castingrunden absolvieren. "Aus 1000 Bewerbern wurden 32 ausgewählt, von denen 16 am Ende in vier Teams teilnehmen durften", erläutert der gebürtige Chemnitzer, der seit fünf Jahren mit Ehefrau Uta, einer gebürtigen Cottbuserin, und Sohn Tilmann (12) in der Lausitz lebt.

Sein beruflicher Werdegang führte ihn nach der Ausbildung im Hotel Schloss Rabenstein über das Thermen Hotel Bad Liebenzell, das Fässle in Stuttgart, Restaurant Portalis, Capital Club und Restaurant Diekmann in Berlin. Nach zwei Jahren Mallorca wurde er Küchenchef im Gothischen Haus Wernigerode. Der gleichen Tätigkeit ging er von 2011 bis 2013 im Hotel Zur Bleiche in Burg nach.

Aktuell bietet der sympathische Werbener Kochkurse über Ernährungs- und Unternehmensberatung bis zu Show-Kochen und Rezepterstellungen an. Ein eigenes Lieblingskoch-Gütesiegel hat er entwickelt und kreiert zudem auf seinem Youtube-Kanal Lieblingskoch jeden Samstag ein eigenes Kochvideo.

Szenenwechsel: Der Hauptgang ist inzwischen fertig, Thiele ist gut in der Zeit, obwohl er durch die Kochshow 60 Minuten gewohnt ist. Auf die Frage, ob wir denn als TV-Zuschauer immer das sehen, was wirklich passiert, sagt er deutlich: "Alles wurde bisher so gesendet, wie ich es vor Ort erlebt habe."

Geschickt drehen derweil seine Finger die Butterwürfel in der Schale mit dem Vanillezucker, es geht nun um das Dessert. "Auch die Atmosphäre unter uns Kandidaten ist herzlich. Wir telefonieren oft miteinander, und mit Tilo Strate aus dem Team Rosin ergibt sich demnächst eine geschäftliche Beziehung." Beide wollen künftig in Bad Saarow im Seebad Kochkurse anbieten.

Auffallend: Thiele wirkt souverän beim Kochen, jeder Schritt ist gut durchdacht, er hat sichtlich Spaß bei der Zubereitung. Die Vorfreude auf das Finale ist unübersehbar. Ablaufen wird es dann so: Unter dem Motto "Geschmackspaare" sollen die Kandidaten aus abenteuerlichen Zutatenkombinationen ein köstliches Löffel-Gericht kreieren, erklärt Thiele. Im ersten Teamkochen bewertet Gastjuror Peter Maria Schnurr die Gerichte. Die besten vier Löffel kommen eine Runde weiter. Platz 5 und 6 scheiden aus. Im zweiten Teamkochen bewertet Gastjurorin Lea Linster die vier Löffel, die besten zwei kommen in die Finalrunde. Es folgt dann das spannende Duell um die Siegprämie von 50 000 Euro. "Etwas nervös bin ich schon, aber jetzt will ich es wirklich wissen", sagt Thiele, während er uns die Gerichte zur Bewertung präsentiert. Unser Urteil fällt eindeutig aus: Wenn er diese Qualität auch beim Finale auf die Löffel zaubern kann, hat er beste Chancen, zu gewinnen.

Zum Thema:
Gegen insgesamt fünf Kandidaten muss Jörg Thiele aus dem Team Cornelia Poletto im Finale ankochen. Wir geben einen kurzen Überblick über die Finalisten. Aus dem grünen Team um Trainer Roland Trettl treten Frank Pahlke und Boris Biggör an. Aus dem blauen Team, das von Frank Rosin betreut wird, treten Tilo Strate und Viviana an. Aus dem gelben Team mit Trainer und Betreuer Alexander Herrmann tritt Marco Zingone im Finale an. Gute Nachrichten gibt es zudem vor dem "The Taste"-Finale: Die größte Kochshow Deutschlands wird in Sat.1 zum Fünf-Gänge-TV-Menü. Auch 2017 treten die besten Hobby- und Profiköche an, um den perfekten Löffel zu kreieren - in der fünften Staffel. "The Taste" holte in der aktuellen Staffel mittwochs zur Prime Time Marktanteile von bis zu zwölf Prozent bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern. Alle Hobby- und Profiköche, die in der fünften Staffel von "The Taste" dabei sein wollen, können sich ab sofort unter www.sat1.de/tv/the-taste/bewerbung bewerben.