„Der Pate hilft bei Pflege und Ernte, bekommt dafür dann beim gemeinsamen herbstlichen Weinfest köstlichen Traubensaft in der Flasche“ , preist Werner Kothe seine Idee an.
Der Mann hat Mut, existiert der kleine Weinberg im ehemaligen Gutspark von Annenwalde bisher doch nur in seiner Phantasie. Immerhin: Die ursprünglich mit Freitreppe versehenen Terassenbeete des alten Gutshauses am Hang des verträumten Biber-bewohnten Densow-Sees sind bereits gerodet und eine ministerielle Genehmigung zum Anlegen des 1400 Quadratmeter großen Weinberges hat Kothe auch schon in der Tasche. Ebenso Kostenvoranschlag und Liefergarantie für Rotwein-Rebstöcke der als außerordentlich robust geltenden Sorte „Regent“ .
Auf geschichtliche Tradition kann der 58-jährige Künstler mit seinem Projekt nicht verweisen. Zwar wurde in Nordbrandenburg und Mecklenburg in vergangenen Jahrhunderten nachweislich Wein angebaut, doch nicht direkt in Annenwalde. Der malerische Ort entstand vielmehr 1754 mit der Errichtung einer Glashütte. 20 ausländische Familien wurden damals hier angesiedelt, 111 Jahre lang wurde in Annenwalde Glas geblasen. Im nächsten Jahr feiert das Dorf, nunmehr als grünes Portal zum Naturpark „Uckermärkische Seen“ bekannt, sein 250-jähriges Bestehen. Das Jubiläum soll nach den Vorstellungen Kothes bereits mit einheimischem Rebensaft gefeiert werden. Die Vorbereitungen liegen in den Händen eines mittlerweile 20 Mitglieder zählenden Fördervereins, den das Berliner Ehepaar Kothe zur Wiederbelebung alter Feste und Traditionen der Uckermark ins Leben gerufen hat. Der Verein hat auch das ehemalige Gutsgelände inklusive Park von der BVVG gekauft. Der Weinanbau, hat der 58-jährige Künstler nachgelesen, wurde wegen des hohen Arbeitsaufwandes und der schlechten Böden in der Uckermark schon im 19. Jahrhundert aufgegeben.
Die Idee, die Rebstöcke wieder in die Gegend zu holen, ist nicht neu. Im mecklenburgischen Woldeck betreibt ein Förderverein ein vier Hektar großes Weingut. „Unser Weinberg ist ein behördlich zugelassener. Der in Mecklenburg nicht. Dort werden die Trauben hauptsächlich für den Eigenverbrauch angebaut“ , erklärt Kothe, der für sein Projekt sogar Fördermittel bekam. Ein glücklicher Zufall, wie er meint: „Die Europäische Union hat für Deutschland gerade zusätzliche Rebflächen genehmigt, davon einen Teil auch in Brandenburg.“ Und der eigentliche Bildhauer hat die Empfehlung von Weinfachleuten aus dem Saale-Unstrut-Weinbaugebiet. „Die haben sich hier alles angeschaut und eingeschätzt, dass das Projekt funktionieren kann.“ Der Hang liegt an der sonnigen Südseite mit milden Temperaturen.
Der Weinberg soll nicht das einzige botanische Kleinod im ehemaligen Gutspark von Annenwalde werden. Als Ausgleich für die gerodeten Terassenflächen plant Kothe in unmittelbarer Nachbarschaft einen 2400 Quadratmeter großen Europa-Garten.