"Er wird im Kreise der engsten Familie und in sehr entspanntem Rahmen in Qunu feiern", sagte Tochter Zindzi. Selbst die quirligen Urenkel werden bei der Feier in Mandelas Heimatort Qunu außen vor bleiben - der umtriebige Pensionär hat sich im Kreise von Freunden, Verwandten und Weggefährten Beschaulichkeit erbeten.
Keine Reden, keine Festakte. "Er will sich ausruhen und möchte bei Laune gehalten werden", sagt seine Tochter, die ihn nun häufiger als früher sieht. Denn das nach seiner Häftlingsnummer benannte 46664-Konzert zu seinen Ehren im Juni in London galt als eine Art Abschied von der großen Weltbühne - auch wenn er nach Angaben von Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela schon mit dem Gedanken an einen Auftritt bei Afrikas erster Fußball-Weltmeisterschaft liebäugelt. "Ich sehe ihn bereits dort", sagte sie am Rande einer der ungewöhnlichsten Ehrungen für den ewig lächelnden Sympathieträger: Der Vorstellung einer gastro-politischen Biografie. Die Anthropologin und Köchin Anna Trapido zeichnet darin Mandelas kulinarische Vorlieben nach - und nimmt sie als Vorwand für eine Biografie der Sonderklasse: "Essen ist ein ungewöhnliches, aber extrem wirksames Mittel für eine Biografie: Die Erinnerung an Gerüche, Empfindungen und kulinarische Höhepunkte bringt oft in der Erinnerung Verschüttetes zutage." In die Ecke der Anekdoten zählt Mandelas Vorliebe für die deftige Küche seiner ländlichen Heimat, die er sich selbst in noblen britischen Luxushotels kredenzen lässt.
Auch seine fast drei Jahrzehnte in Haft haben ihn beim Essen geprägt. "Direkt nach seiner Freilassung flog er in die USA. Beim Dinner stippte er dann zur Verblüffung der Gäste sein Brot ins Essen - die Gefangenen machten das so", erinnert sich Mandelas Tochter Zindzi. Alle seien entsetzt aber sehr höflich gewesen und hätten nichts gesagt.
Ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk kam aus den USA, die Südafrikas ersten schwarzen Präsidenten nun endlich von der Liste terrorverdächtiger Personen gestrichen haben. Die US-Regierung hatte Mandelas Afrikanischen Nationalkongress (ANC) in den 1980er-Jahren auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt.
Der Friedens-Nobelpreisträger, der schon öfter den Rückzug aus der Öffentlichkeit angekündigt hatte, steht weltweit noch immer hoch im Kurs. Seine Stiftung erhält nach Angaben von Mitarbeiterin Mothomang Diaho weiterhin Anfragen für Auftritte bei Festakten, Gala-Veranstaltungen oder Reden.
"Wir haben jede Woche rund 40 000 Anfragen aus aller Welt", sagte sie am Rande des vom World Economic Forum in Kapstadt organisierten Afrikagipfels. Drei Mitarbeiter seien täglich damit beschäftigt, diese Anfragen aus den USA, Europa und anderen Teilen der Welt zu beantworten. Dabei gehe es oft auch um Anfragen nach persönlichen Interventionen.
Der Jurist mit dem ausgeprägten Versöhnungswillen - zu Apartheidzeiten Staatsfeind Nummer eins - hat mit großem Interesse und sehr gemischten Gefühlen die jüngsten fremdenfeindlichen Gewaltexzesse in seiner Heimat verfolgt: "Er liest immer noch sehr interessiert Zeitung. Und er ist sehr traurig über die Gewalt."
Noch immer pflegt der populäre Staatsmann, Nobelpreisträger und Friedensstifter - von seinen Landsleuten als "Vater" ("Madiba") verehrt - seine Vorliebe für bunte Hemden und schart mit Humor und Charme die Schönen und Reichen der Welt für wohltätige Zwecke um sich.