Selbst wenn die gesamten 7,6 Millionen Euro freigegeben worden wären, hätte dies den tatsächlichen Bedarf nicht gedeckt, so Suchy. Die Stiftung hatte beim Bund eines Zuschussbedarf von etwa 8,2 Millionen Euro angemeldet. Wie auf den Beschluss des Haushaltsausschusses reagiert werden soll, kann der Stiftungsdirektor noch nicht sagen: "Dazu wird der Stiftungsrat in seiner nächsten Sitzung am 29. November beraten."
Hinzu kommt die Unsicherheit über die künftige Ausstattung nach dem Auslaufen des Finanzierungsabkommens, das den Anteil des Bundes an der Gesamtfinanzierung mit 50 Prozent festschreibt. Die andere Hälfte teilen sich die Länder Sachsen und Brandenburg. "Es gibt Bestrebungen von Seiten des Bundes, seinen Anteil abzusenken", so Marko Suchy. Die Verhandlungen über das neue Finanzierungsabkommen lägen derzeit auf Eis, ein Ergebnis sei nicht abzusehen.
Dabei, so der Direktor, bleibe auch die Stiftung für das Sorbische Volk von der allgemeinen Kostenentwicklung nicht verschont. "So steht die tarifliche Angleichung der Beschäftigten auf der unteren und mittleren Ebene auf 100 Prozent Westniveau bevor, ebenso steigen die Tarife im künstlerischen Bereich", erklärt er. Dringend notwendige Investitionen müssten immer wieder verschoben werden, beispielsweise der Einbau eines Fahrstuhls im Bautzener Haus der Sorben. "Dieser wird vom MDR kategorisch gefordert, der im dritten Obergeschoss ein Studio betreibt", so Marko Suchy. Die abgewendete Insolvenz des Sorbischen Nationalensembles sei ein weiterer Beweis für die angespannte Lage: "Mit dem Lohnverzicht der Mitarbeiter wurde zwar die unmittelbare Gefahr beseitigt, aber nicht die Zukunft gesichert." Mittlerweile liege ein im März in Auftrag gegebenes Gutachten vor, das vier Modelle für den künftigen Betrieb des Ensembles untersucht. "Für die Umstrukturierung brauchen wir aber mindestens fünf Jahre, in denen die Finanzierung auf bisherigem Niveau gesichert sein muss", so Suchy. Einzelheiten zum Gutachten könnten erst nach der Sitzung des Stiftungsrates am 29. November bekannt gegeben werden.
Zum Beschluss des Haushaltshaltsausschusses erklären die sächsische Bundestagsabgeordnete Maria Michalk (CDU) und der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Steffen Reiche (SPD): Die im Haushaltsausausschuss vorgenommene Aufstockung des Haushaltsansatzes 2008 für die Stiftung für das Sorbische Volk um 600 000 Euro auf einen Bundeszuschuss von insgesamt 7,6 Millionen Euro begrüßen wir ausdrücklich. Sie sind das Ergebnis unserer vielfältigen Bemühungen, über die Situation sorbischer Einrichtungen und die Projektarbeit in der Lausitz zu informieren und den angemessenen Bundeszuschuss zu begründen. Damit wird das Förderniveau 2007 gehalten. Das ist ein Erfolg der parlamentarischen Arbeit. Wir verkennen aber nicht, dass mit diesem Beschluss die Haushaltssituation der Stiftung schwierig bleibt.