So kommt am Sonntag auch die Gemeinde in der Schlosskirche nicht umhin, das schreckliche Geschehen vom Mittwoch in einem Gottesdienst zur goldenen Konfirmation zum Thema zu machen. 15 Kerzen auf dem Altar erinnern an die 15 Opfer, die Tim K. erschoss, bevor er sich selbst tötete. "Ein schönes Fest sollte es werden. Geplant war eine Kantate, aber den Sängern ist nicht zum Singen zumute", erläutert Pfarrer Winfried Maier-Revoredo und schaut in die ersten zwei Reihen seiner Gläubigen, die vor 50 Jahren konfirmiert wurden. "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln" - der 23. Psalm bildet die Grundlage seiner Predigt. Dabei rückt der Pfarrer eine Zeile in den Mittelpunkt: "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich." Die Einwohner von Winnenden seien durch den Amoklauf des 17-Jährigen jäh in ein finsteres Tal gestürzt worden. "Es ist ein finsteres Tal, von dem wir noch gar nicht wissen, wie lang es ist." Zugleich mache das furchtbare Geschehen deutlich, dass man für ein Leben ohne Verletzungen und Verluste geliebter Menschen dankbar sein könne. Notwendig sei nun sehr viel Mitmenschlichkeit. "Wir brauchen die Messlatte gar nicht so hoch hängen. Einfach da sein ist schon wichtig", mahnt der Pfarrer. Aber er findet an diesem Vormittag nicht nur geistliche Worte. Maier-Revoredo kritisiert auch massiv das Verhalten einzelner Medienvertreter: "Wenn Kindern Geld angeboten wird, damit sie vor der Kamera weinen, ist das ekelhafte Sensationslust." "Wir brauchen Mitgefühl." Mit diesen Worten endet die Philipika des Geistlichen. Für die Kirchenbesucher ist das nur der Anfang - die Normalität liegt noch in weiter Ferne.