Zudem würden immer mehr Menschen, die bei der Suche helfen könnten, wegsterben. "Die Zeitzeugen vor Ort, die als Kinder gesehen haben, wo Soldaten begraben wurden, gehen uns verloren."

Allein 2012 hat der Volksbund in Russland rund 24 000 Gefallene des Zweiten Weltkriegs – meist deutsche Soldaten – gefunden. Die größte deutsche Kriegsgräberstätte ist dort der Friedhof in Rossoschka mit 56 800 Toten, rund 40 Kilometer von Wolgograd entfernt. "Stalingrad hat eine große Bedeutung für die russische und deutsche Gesellschaft. Es ist ein Mythos geworden. Für uns war es ein bedeutender Schritt, dort eine Kriegsgräberstätte zu errichten", sagte Kirchmeier.

Seit 1992 sucht der Volksbund dort nach Toten, 1999 wurde der Friedhof in Rossoschka eingeweiht. Insgesamt hat der Volksbund seitdem in Russland mehr als 760 000 Kriegstote gefunden, etwa 30 Prozent davon konnten identifiziert werden. Darunter sind nicht nur Soldaten, sondern auch andere Menschen, die im Krieg ums Leben gekommen sind. "Angehörige fahren dahin und nehmen Abschied", berichtete Kirchmeier. Er forderte für den Erhalt der Friedhöfe – rund 820 in 45 Staaten – und für die Suche mehr Geld von der Bundesrepublik. "Die Leute, die uns unterstützen, werden älter und weniger."

Insgesamt hat der Volksbund nach eigenen Angaben 400 000 aktive Förderer und rund eine Million Gelegenheitsspender. Pro Jahr verliert er rund 10 000 Spender. Kirchmeier forderte das Auswärtige Amt auf, die Zuschüsse von derzeit 10,88 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro zu erhöhen. "Damit müssten wir zurechtkommen. Wenn der Bund nicht erhöht, können wir unsere Aufgabe nicht mehr in dem Maße erfüllen", betonte er. Dies komme aber nicht infrage. "Zigtausende liegen verscharrt in Wäldern, auch in Deutschland. Wir können uns mit der Situation nicht abfinden. "

Zum Thema:
Der 1919 gegründete Volksbund forscht und sucht im Auftrag der Bundesrepublik nach den Kriegsopfern. Ihn erreichen rund 30 000 Anfragen pro Jahr von Familien über die Grablage von Angehörigen. Dazu werden unter anderem alte Unterlagen und Meldungen der Wehrmacht der Nazis zu Begräbnissen ausgewertet, aber auch Aussagen von heimgekehrten Soldaten oder von Einwohnern.