Zwei Nächte lang ist im Endspurt vor dem Erscheinen des 14. Studioalbums von Herbert Grönemeyer am 21. November in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft gedreht worden. Das neue Liebeslied "Morgen" des erfolgreichsten Musikers im deutschsprachigen Raum erzählt vom Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung mit Erfüllung bis zum Lebensende.

Herbert Grönemeyer selbst singt und dreht für seine Filmsequenzen in dem Video ausschließlich im Berliner Filmstudio McQueen Picture. Er hat Lausitzer Boden wirklich nur einmal vor zehn Jahren zum Konzert auf dem Lausitzring betreten. Dennoch kehrt er zurück, bestätigt Produzent Rainer Spix, "auch wenn am Ende selbst Eingeweihte die einsame Landstraße in der Nacht kaum wiedererkennen" dürften.

"Morgen" ist ein emotionaler und für Herbert Grönemeyer typischer Song, der visuell zum größten Teil auf der derzeit wegen Sanierungsarbeiten gesperrten Verkehrsader in der offenen Bergbaufolgelandschaft umgesetzt wird. "Für uns ist es ein Glück gewesen, dass die Locationscouts diese Straße für uns gefunden haben", erzählt Rainer Spix. Eigentlich sollte im Ausland gedreht werden. Doch die Idee sei erst vor einem Monat ausgefeilt gewesen. Vor knapp einer Woche wurden die Drehtage organisiert. "Mit dem Straßenmeister haben wir am Sonntagabend verhandelt", sagt er. Erfolgreich. Innerhalb eines Tages lagen alle Genehmigungen vor. "In dem Tempo wäre das um Berlin oder anderswo nicht möglich gewesen", zeigt sich der Produzent sicher.

Auf die Suche nach der Glückseligkeit schickt Regisseur Kai Sehr, der neben Musikvideos für Herbert Grönemeyer ("Schiffsverkehr" und "Fernweh"/2011) auch für "Die fantastischen Vier" und "Die Ärzte" arbeitet, auf der Landstraße 60 den Theater- und Filmschauspieler Lars Eidinger.

Die Heimbühne des Grimme-Preisträgers 2014 ist die Berliner Schaubühne. Hier hat er sich als langjähriges Ensemble-Mitglied zuerst einen Namen als Schauspieler gemacht. Mit dem Beziehungsdrama "Alle Anderen" (2009) kam mit der ersten großen Filmrolle auch die Bekanntheit auf der Kinoleinwand.

Als Bösewicht im Tatort Ludwigshafen (Hauch des Todes) und im Polizeiruf 110 (Zapfenstreich) ist Lars Eidinger im Fernsehen zu sehen gewesen.

Die Hauptrolle im neuen Video von Herbert Grönemeyer ist für den renommierten Darsteller eine Premiere. Und "eine Ehre", wie er sagt. "Ich bin praktisch mit den Liedern von Herbert Grönemeyer aufgewachsen", erklärt der 38-Jährige. "Kinder an die Macht" sei damals bei ihm hoch und runter gespielt worden.

Persönlich kennengelernt hat der Schauspieler, der auch selbst als Musiker und Produzent (Musik zur Arte-Dokumentation "Die Mörder des Herrn Müller"/1999) arbeitet, Herbert Grönemeyer aber erst vor einer Woche bei der Vorbesprechung mit allen Beteiligten für die Videoproduktion. "Er ist ein toller Künstler und angenehmer Mensch", sagt Lars Eidinger.

Die emotionale Rolle in dem Musikvideo habe ihn auch vor dem Hintergrund des öffentlich gewordenen, sehr persönlichen Schicksalsschlages von Herbert Grönemeyer gereizt. Der Musiker hatte seine große Liebe nach langem Kampf gegen den Krebs verloren - und das auch in seinem folgenden und bisher erfolgreichsten Album "Mensch" zu verarbeiten versucht. Das war im Jahr 2002 erschienen und ist inzwischen mit 3,7 Millionen verkauften Exemplaren das bisher meistverkaufte Album der deutschen Musikgeschichte.

Die Text-Zeilen "Wirst Du morgen noch mit mir tanzen, bleibst Du in Deiner Liebe fest, wirst Du Dich für mich verwenden, bestehen wir zusammen jeden Test" im aktuellsten Lied "Morgen" erinnert auch Produzent Rainer Spix daran. "Aber in die Lieder von Grönemeyer wird ja auch immer viel hineininterpretiert, das der Künstler damit vielleicht nicht sagen will", räumt er ein.

Lars Eidinger findet die Glückseligkeit in der Lausitz praktisch sofort. Denn die Abschluss-Szene, in der er nach der langen Suche auf der langen Straße in der Dunkelheit das Glück erreicht, wird zuerst gedreht. In der herbstlichen Bergbaufolgelandschaft schaut er mit von Tränen feuchten Augen sichtlich bewegt ins Licht. "Für mich ist es schon merkwürdig gewesen, damit zu beginnen, das Ende der Geschichte zu erzählen", berichtet der Schauspieler. Sehr konzentriert werde am Filmset in kürzester Zeit gearbeitet. Und die gewünschten Szenen müssten sofort perfekt im Kasten sein. "Die Arbeit hier macht Freude. Aber das Theater ist mir lieber. Da kann auch über Tage so lange geprobt werden, bis alles sitzt", bestätigt der Berliner. Vor dem Hauptdarsteller und dem ebenfalls taufrisch preisgekrönten Film-Team von McQueen Picture (vier Löwen bei den Filmfestspielen in Cannes 2014) liegt da noch eine lange Nacht auf der langen Straße nach Kostebrau - über Stunden im Dauerregen. Der Arbeitstag endet mit dem Sonnenaufgang und damit gerade noch vor dem Flug von Lars Eidinger nach Russland. Dort steht er schon wenige Stunden später als Zar vor der Kamera.

Doch zunächst fährt er geduldig immer wieder durch die Nacht - vorbei an verschiedenen Lichtpunkten und auch einem brennenden Auto am Straßenrand. Das wird für die Dreharbeiten vor der Kulisse der Schipkauer Hochkippe mehrmals angezündet und von der Schwarzheider Feuerwehr immer wieder vorsichtig abgelöscht. "Eine Rolle im Video hat das Drehbuch für uns leider nicht vorgesehen", sagt Einsatzleiter Tino Hamann schmunzelnd. Für diese besondere Brandsicherheitswache hatten sich aber weit mehr Freiwillige gemeldet als angefordert waren. "Das erlebt man nur einmal im Leben", stellt der Feuerwehrmann fest. Nach mehr als fünf Stunden rücken die Schwarzheider vom Regen völlig durchnässt, aber höchst zufrieden ab. "Jetzt warten wir gespannt auf das Ergebnis", sagt Tino Hamann.

Das geht auch Elke Owsanny und Michaela Raddatz, den Damen von der Schipkauer Tankstelle, so. "Natürlich hat jeder gefragt, was hier gedreht wird", bestätigt Michaela Raddatz, die die Spätschichten an beiden Arbeitstagen der Film-Crew geschoben hat. Dass die kleine Gemeinde eine Nebenrolle im Herbi-Video hat, begeistere die Leute.

"Hier hat alles gepasst", erklärt Produzent Rainer Spix. "Wir sind in der Tankstelle ja auch gleich mit dem Lied aus dem Radio empfangen worden, für das wir das Musikvideo drehen", sagt er lachend. Dies freilich war Zufall.

Auf der Landstraße nach Kostebrau ist diesem allerdings rein gar nichts überlassen worden. "Ich bin sehr zufrieden mit den Aufnahmen", sagt Spix am Ende der Dreharbeiten in der Lausitz. Das Musikvideo werde gut. Und das darf man dem Mann glauben, der auch das "virale Wunder von Zürich" federführend umgesetzt hat. Die spektakuläre Werbung mit einem Gewinnspiel für das Samsung Galaxy S4 in der Schweiz, bei dem Tausende auf dem Hauptbahnhof eine Stunde lang auf das Handy schauten, hat die Löwen in Cannes gewonnen.