Vor dem Gefängnis in Jericho zerreißen immer wieder Schüsse die Luft. Mit schweren Planierraupen drücken israelische Soldaten Mauern der Haftanstalt ein, um den dort inhaftierten Generalsekretär der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), Ahmed Saadat, in ihre Gewalt zu bringen. Panzer feuern auf den Gebäudekomplex, aus dem sich Männer in Unterwäsche und mit erhobenen Händen den Soldaten ergeben. Nach der dramatischen Eskalation der Gewalt geben schließlich auch Saadat und seine Gefolgsleute am Abend auf und stellen sich den Soldaten mit erhobenen Händen.

Streit um Abzug von Beobachtern
Der Militäreinsatz löst vor allem im Gazastreifen einen Flächenbrand der Gewalt aus, bei dem Ausländer und ihre Büros zum Ziel genommen werden. Nicht nur Palästinenser werfen den aus den USA und Großbritannien entsandten internationalen Beobachtern vor, ihr Rückzug habe den Weg für den Einsatz erst frei gemacht. "Der Abzug der Beobachter vor der Operation wirft die Frage auf, ob da nicht vorab eine Abstimmung zur Vorbereitung dieser Aggression stattgefunden hat", erklärte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, in Kairo.
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erklärt, der Rückzug sei ein Bruch einer in Ramallah getroffenen Übereinkunft, die 2002 die Belagerung des palästinensischen Hauptquartiers in Ramallah beendet hatte. Damals hatte Saadat dort Unterschlupf bei dem damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat gefunden. Saadat soll den Mord an dem ultra-rechten israelischen Tourismusminister Rechwam Seewi befohlen haben. Israel wollte eine Freilassung des Inhaftierten verhindern, nachdem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas diese angekündigt hatte.
Die britische Regierung bestreitet jede Mitverantwortung für das israelische Vorgehen energisch. Die Palästinenserführung habe es versäumt, ausreichenden Schutz für die Beobachter zu garantieren. "In den vergangenen Monaten ist deutlich geworden, dass die Autonomiebehörde dazu nicht in der Lage ist", wurde der britische Außenminister Jack Straw gestern zitiert. Kritisiert wurde von den Beobachtern, dass die Inhaftierten Mobiltelefone nutzen durften und weit gehend unkontrolliert Besuch empfangen konnten.

Zivilisten im Visier
Doch von den Palästinensern wird der Rückzug öffentlich als Bruch des Vertrauens dargestellt. Wie schon im von Ausschreitungen begleiteten Streit um die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen richtet sich die Gewalt nun vor allem gegen die Ausländer, die in den Palästinensergebieten arbeiten - mehrere Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, Lehrer und einige Journalisten. "Es ist tragisch", sagt ein westlicher Diplomat. "Die Palästinenser schneiden sich aus Wut und Verbitterung ins eigene Fleisch."