Sie hätte es trotz des engen Terminplans fast geschafft. Doch in letzter Minute musste Polens Vize-Wirtschaftsministerin Ilona Antoniszyn-Klik ihren Besuch an der Europa-Universität in Frankfurt (Oder), wo die 37 Jahre alte gebürtige Breslauerin einst Wirtschaftswissenschaften studierte, doch noch absagen.

Dabei hätte sie gerne vorbeigeschaut, denn zum 20. Jahrestag des Studienbeginns wurde an der Viadrina am Wochenende das erste große Absolvententreffen ausgerichtet. Etwa 150 Alumnis - wie sich die Ehemaligen im akademischen Sprachgebrauch nennen - seien an ihrer alten Ausbildungsstätte zusammengekommen, sagt Alumni-Managerin Agnieszka Lindner. Die Absolventen seien hauptsächlich aus Deutschland und Polen, aber auch aus anderen Ländern angereist - bis aus Singapur.

Auch Studenten der ersten Stunde, die "die Schwierigkeiten des Anfangs" miterlebt hätten, seien gekommen, hebt Uni-Präsident Gunter Pleuger zum Start des neuen Akademischen Jahres hervor. Die Alumnis hätten offenbar eine starke Anhänglichkeit an ihre Alma Mater.

Im Herbst 1992 hatten die ersten Studenten an der ein Jahr zuvor gegründeten Europa-Universität die Lehre aufgenommen. Seither schlossen hier rund 8400 Studenten das Studium ab, wie Pleuger sagt. Sie seien heute in aller Welt unterwegs und in vielen Berufen aktiv. Sie wurden Richter, Dolmetscher, Autoren, Schauspieler, Firmengründer, Messeleiter und auch Bürgermeister wie Bartlomiej Bartczak, der nach einem Jurastudium seit 2006 im Rathaussessel der polnischen Grenzstadt Gubin sitzt.

"Ich treffe viele der Absolventen im Berufsleben wieder", sagt am Rande des Treffens Mario Quast, der nach seinem Viadrina-Studium Leiter des Deutsch-Polnischen Kooperationsbüros der Sparkassen wurde und seit 2011 auch Geschäftsführer des Businessclubs Deutschland/Polen ist: In Unternehmen, Kanzleien und Ministerien säßen ehemalige Viadrina-Studenten. "Das Konzept der Universität scheint aufgegangen zu sein", schlussfolgert er .

Heute ist die Universität an der Grenze zu Polen längst etabliert und international anerkannt. Während sich im ersten Jahr gerade mal 470 Studenten eingeschrieben hatten, lernen hier im beginnenden Wintersemester nach Angaben der Hochschule über 7100 Studenten - so viele wie nie zuvor. Fast ein Viertel von ihnen kommt aus dem Ausland. Pleuger verweist darauf, dass renommierte Adressen wie die französische Spitzen-Universität Sorbonne in Paris Interesse an einer Zusammenarbeit haben: Im November soll nach seinen Angaben ein Kooperationsvertrag geschlossen werden.

Die Absolventen tragen nicht nur den Ruf der Viadrina in alle Welt, die Universität will von ihnen auch profitieren. "Wir sind dabei, einen Alumni-Fonds zu schaffen, für den Absolventen Geld spenden", sagt Agnieszka Lindner. Das soll dazu dienen, studentische Projekte wie beispielsweise Exkursionen oder Museumsbesuche zu fördern, für die bisher häufig die Mittel fehlten. Das erste Geld für den Fonds sei auf dem Alumni-Treffen gesammelt worden, sagt Lindner erfreut.