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Studierhaus am Ufer des Ilse-Sees

Anna Ostrega aus Krakau – hier mit Ex-IBA-Chef Rolf Kuhn – ist einen Monat lang in Großräschen, um Erfahrungen bei der Bergbausanierung im Lausitzer Seenland zu studieren. Foto: D. Hecht
Anna Ostrega aus Krakau – hier mit Ex-IBA-Chef Rolf Kuhn – ist einen Monat lang in Großräschen, um Erfahrungen bei der Bergbausanierung im Lausitzer Seenland zu studieren. Foto: D. Hecht FOTO: D. Hecht
Großräschen. Die IBA in der Lausitz ist Geschichte. Seit gut einem halben Jahr sind 30 Projekte an Träger übergeben. Das Lausitzer Seenland nimmt immer deutlicher Kontur an. Die IBA-Gesellschaft ist in Liquidation und hat dennoch weltweiten Zulauf. Von Christian Taubert

Dr. Anna Ostrega aus (Krakow) Krakau hat sich für einen Monat in Großrä schen (Oberspreewald-Lausitz) eingerichtet. Sie kennt die Umgestaltungsprozesse im Ruhrgebiet, wo die IBA Emscher Park ihre Spuren hinterlassen hat. „Ich war 2003 dort und habe da vom Lausitzer Seenland gehört“, erzählt die junge Polin, die an der Bergakademie in Krakau an ihrer Habilitationsarbeit schreibt. 2008 war sie dann mit 14 Studenten im Pückler-Land. Und jetzt, bevor sie ihre Lehrerlaubnis auf dem Gebiet der Industriekultur erwerben möchte, „wollte ich unbedingt noch einmal die Erfahrungen in der Lausitz studieren“. Biotürme Lauchhammer, Erlebnis-Kraftwerk Plessa, Förderbrücke F 60 – all das kann sie längst auf Deutsch sagen. „Rund um Krakau haben wir so viele Industriemonumente, die noch ungenutzt sind. Aber das soll sich ändern.“

Anna Ostrega steht mit ihrem Wissensdrang über die Bergbaurekultivierung im Lausitzer Seenland keineswegs allein. Vielmehr bewahrheiten sich Erfahrungen anderer Internationaler Bauausstellungen, dass sofort nach dem Abschluss der Start in die Nachnutzung und Weiterentwicklung von Ideen erfolgt. Prof. Rolf Kuhn, jetzt zwei Jahre lang Chef der IBA-Liquidationsgesellschaft, hat am Donnerstag beim Auftakt für den Verkauf des Buches „IBA Lausitz 2010“ auf Gäste aus China und Südafrika verwiesen, die hier Erfahrungen für die Umgestaltung einer ganzen Region sammeln wollen. Von der Bauhaus-Uni Weimar seien 70 Studenten vor Ort gewesen, die nun Ideen für „Häuser zum Wegtragen“ entwickeln wollen. Und nicht zuletzt hätten 50 studentische Workshopteilnehmer aus aller Welt den zukünftigen Stadthafen Großräschen unter die Lupe genommen. Für Kuhn steht fest: „All das sind Botschafter der IBA auf der ganzen Welt.“

Der Andrang der Wissbegierigen gibt den noch verbliebenen vier IBA-Mitarbeitern recht, den Klinkerbau der ehemaligen Geschäftsstelle vor der Kulisse des künftigen Ilse-Sees in ein Studierhaus zu verwandeln. „Wir sind noch mitten in den Arbeiten, haben inzwischen aber alle Umbau-Genehmigungen“, erläutert Kuhn und führt die Gäste – von IBA-Gesellschaftern über Sponsoren bis zu treuen Wegbegleiter – durch das Gebäude.

In Studienräumen kann hier der in Büchern, auf Videos und Filmen festgehaltene Wissensschatz von der größten Landschaftsbaustelle Europas gesichtet und genutzt werden. Dieses Studierhaus wird aber mehr als eine multimediale Bibliothek. Hier können 20 bis 30 Personen auch übernachten. Unterm Dach, wo einst die Schreibtische der IBA-Mitarbeiter standen. Rolf Kuhn: Die durch Vorhänge statt Wände getrennten „Zimmer“ haben bei Studenten schon Studier-„Atmosphäre“ aufkommen lassen.