Das teilte die Bertelsmann Stiftung am Montag nach einer Analyse mit.

Der Mieterbund forderte mehr Wohnungsbau und, wie Grüne und Linke, Mietpreisbremsen. "Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht geraten in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt finanziell stark unter Druck", sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger.

Untersucht wurde eine Modellrechnung für eine vierköpfige Familie mit weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnitts- Einkommens, die ein Kind bis sieben Jahre sowie ein Kind zwischen sieben und 14 Jahren hat.

In Jena bleiben solchen Familien laut Studie nach Überweisung der Miete rechnerisch 666 Euro im Monat. Ihr verfügbares Einkommen liege 43 Prozent unter dem Niveau der Grundsicherung.

Andererseits kommt eine Familie in Heilbronn - bei entspannterem Wohnungsmarkt und relativ hohen Durchschnittseinkommen - demnach auf 1941 Euro, das liege 66 Prozent über Grundsicherungsniveau.

Der Anteil der Wohnkosten am Einkommen schwankt der Berechnung zufolge erheblich. In Frankfurt/Main, Jena, Freiburg und München gäben solche einkommensschwachen Familien im Schnitt mindestens jeden zweiten Euro für die Miete aus, erläuterte die Stiftung. In Iserlohn oder Witten blieben 80 Prozent des Einkommens für anderes übrig.

Grundlage der Modellrechnungen waren den Angaben zufolge Daten des amtlichen Mikrozensus 2011 sowie Wohnkosten aus einer Datenbank für Preise von Immobilienangeboten. Als familiengeeignet wurden Wohnungen von mindestens 75 Quadratmetern und mit drei Zimmern angenommen. Der Mieterbund forderte die Politik zum Handeln auf.

"Wir brauchen mehr Wohnungsneubau, insbesondere auch mehr Sozialwohnungen und eine Begrenzung der Wiedervermietungsmieten", sagte Bundesdirektor Lukas Siebenkotten. Der Mieterbund kritisierte zudem, dass die Zahl der Wohngeldempfänger 2011 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 770 000 Haushalte gesunken sei.