Ein Team unter Federführung des Bonner Universitätsklinikums fand heraus, dass Oxytocin das Furchtzentrum im Gehirn hemmt und Angstreize stärker abklingen lässt. Nach Ansicht der Forscher könnte dieses Ergebnis vielleicht eine neue Ära in der Behandlung von Angststörungen durch im Gedächtnis eingegrabene schlechte Erfahrungen einleiten. Das müssten aber erst klinische Studien zeigen.

Große Angst, verursacht etwa durch einen Autounfall, setzt sich tief im Gedächtnis fest. Sie sorgt für eine sogenannte Konditionierung, bei der bestimmte Bilder oder Geräusche - wie etwa quietschende Reifen - mit Gefahr verbunden werden. Werden Menschen mit solchen Angststörungen immer wieder mit dem Auslöser konfrontiert, verringert sich nach Angaben der Experten die Furcht allmählich.

Das Kuschel- oder Bindungshormon Oxytocin, das bei Sexpartnern oder in der Mutter-Kind-Beziehung die Bindung fördert, hilft nach den Forschungsergebnissen, aus solchen Ängsten rascher herauszukommen und sie im Gedächtnis zu "überschreiben". "Unter dem Einfluss von Oxytocin klingt die Erwartung eines erneuten Angstereignisses im Verlauf stärker ab als ohne diesen Botenstoff", erklärte Studienleiter Prof. René Hurlemann.

Die Liste der Wirkungen, die dem Hormon Oxytocin zugeschrieben werden, ist lang: Es soll zum Beispiel freundlich und monogam machen, aber auch unachtsam und vertrauensselig. Laut Psychologen der Universität Haifa kann Oxytocin bei Menschen Gefühle wie Schadenfreude und Neid verstärken.