Abgeordnete der schwarz-gelben Koalition sind den Angaben zufolge nebenberuflich deutlich erfolgreicher als die der Opposition: Hohe Nebeneinkünfte über der Bagatellgrenze von 1000 Euro im Monat beziehungsweise 10 000 Euro im Jahr würden "zumindest zu 70 Prozent" von Vertretern der Regierungsfraktionen generiert, insbesondere von Anwälten, heißt es in der Studie, über die zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte.

Die Gesamtsumme entspricht dem Verdienst von etwa 80 Abgeordneten aus Diäten - also etwa dem, was Abgeordnete einer kompletten kleinen Fraktion einnehmen. Rein rechnerisch hat jeder der betroffenen Abgeordneten mehr als 42 000 Euro jährlich dazuverdient.

Die große Mehrheit der Abgeordneten geht Nebentätigkeiten nach, manch ein Parlamentarier übt den Angaben zufolge zehn und mehr Nebentätigkeiten aus. Aber nur eine Minderheit verdiene dabei, heißt es. Der Bundestag weist auf seiner Internetseite Nebentätigkeiten und unterschiedliche Aktivitäten der aktuell 620 Abgeordneten neben dem Mandat aus.

Von der nächsten Wahlperiode an müssen Mitglieder des Bundestags Nebeneinkünfte detaillierter offenlegen - in zehn statt drei Stufen, bis hin zu Einnahmen von mehr als 250 000 Euro. Forderungen nach Veröffentlichung auf Euro und Cent fanden keine Mehrheit im Plenum.

Derzeit werden einmalige oder regelmäßige monatliche Einkünfte von 1000 bis 3500 Euro erfasst, in der zweiten Stufe Einkünfte bis 7000 Euro und schließlich Einnahmen darüber. Die Pflichtangaben werden auf der Bundestags-Internetseite jeweils mit den Abgeordneten-Biografien veröffentlicht.

In der Studie wird kritisiert, dass Abgeordnete mit sehr hohen Nebeneinkünften privilegiert seien. Sie verschafften sich ein höheres Einkommen als ihre Parlamentskollegen und bildeten - quasi als sechste Fraktion - eine eigene Klasse von Abgeordneten.

Zudem werde ausgerechnet das Kerngeschäft jedes Politikers - Reden und Vorträge vor Publikum - zur bezahlten Nebentätigkeit. Dieses Kerngeschäft sei aber durch die Diäten bereits abgegolten. Durch Honorare für Vorträge werde es doppelt bezahlt.