Wer es auf seinem Weg über die deutsch-polnische Grenze bis hierher geschafft hat, ist froh. Können die Trucker dann endlich die enge Fahrerkabine verlassen und sich nicht nur auf dem Standstreifen kurz die Beine vertreten.
Der „Truck-Stop“ mit seinem Imbissangebot von Bratwurst und Frikadellen bis hin zum halben Hähnchen, das benachbarte Bistro und der kleine Supermarkt sind längst zum Anlaufpunkt der Brummi-Fahrer geworden. „Einen internationaleren Platz finden sie nirgends in Europa“ , ist Betriebsstättenleiterin Silvia Gosemann von der Betreiberfirma Garonor überzeugt. An diesem bitterkalten Winterabend läuft sie hektisch hin und her, holt Verlängerungskabel, Wasserkocher, Becher und einen großen Topf. Studenten der Frankfurter Europa-Universität „Viadrina“ haben den weihnachtlich dekorierten „Truck-Stop“ erobert, um an die sichtlich überraschten Fahrer Tee, Plätzchen und Stollen zu verteilen und kleine Geschenke zu überreichen.
Nach anfänglichem Stauen greift so mancher wartende Trucker mit einem kleinen Lächeln im Gesicht nach dem Glühweinbecher, wohl wissend, dass er aufgrund des Grenzstaus in den nächsten Stunden ohnehin nicht zurück hinter das Lenkrad muss. „Etwa einen halben Tag steht man hier immer“ , erzählt der Russe Igor Sjuganow. Seit einem halben Jahr fährt er ständig die Strecke von Rotterdam nach Moskau und zurück. Insgesamt je 3500 Kilometer. Trotzdem bleibt er gelassen. „An der polnischen Ostgrenze ist es noch schlimmer, da wartet man mindestens drei Tage“ , erzählt der 46-jährige Fernfahrer. Sein litauischer Kollege Likardas Ramanas ist hingegen froh, noch eine Woche vor den Feiertagen über die Oder zu rollen. „Dann bin ich Weihnachten wenigstens bei der Familie.“ Der Trucker hat im vergangen Jahr selbst noch am 24. Dezember auf dem Frankfurter Vorstauplatz warten müssen.
„Eine tolle Idee“ , meint Frau Gosemann, die entspannte Szenerie zwischen Glühwein und Plätzchen beobachtend. „Die Fahrer haben so einen eintönigen Alltag, da kann jede Abwechslung nur gut sein.“ Doch die gut 20 Studenten der Kulturwissenschaften wollen nicht nur mit kulinarischen Überraschungen, Gesang und Tanz für weihnachtliches Kurzweil sorgen. „Wichtig ist uns auch, etwas für ein positives Image der Grenzstadt Frankfurt zu tun“ , erzählt Esther Draeger, Kuwi-Kommilitonin im 6. Semester. Den Oderstädtern sei das internationale, fahrende Völkchen von Fernfahrern nämlich nahezu unbekannt. „Und das wollen wir ändern“ , sagt Esther, deren Angaben nach der studentische Weihnachtsgruss erst der Anfang eines neuen Engagements für die Trucker sein soll. „Wir hoffen, dass sich die Frankfurter künftig anschließen.“