Trotz der Rekordzahl von 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Laut der neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) nehmen von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 77, aus Facharbeiterfamilien hingegen nur 23 ein Studium auf.

Studentenwerks-Präsiden Dieter Timmermann sagte bei der Vorstellung der Studie in Berlin: "Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv - auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist."

Opposition, Gewerkschaften und Studentenverbände mahnten die jetzt bereits im zweiten Jahr ausstehende Bafög-Anhebung an. Die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft hat sich mit dem gewaltigen Ausbau der Studienplätze seit 2006 kaum verändert. Über 70 Prozent der Studierenden stammen von Eltern, die selbst über einen Hochschul- oder Meisterabschluss verfügen. Nur neun Prozent kommen aus einer Familie, in der die Eltern nur einen Volks- oder Hauptschulabschluss haben.

Timmermann: "Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellenz, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede".

Der DSW-Präsident forderte Bund und Länder auf, sich jetzt ohne weitere Verzögerungen über eine Bafög-Reform zu verständigen. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Dieser Forderung ist die Regierung nicht nachgekommen. Seit Ende Mai tagt jetzt eine Bund-Länder-Bafög-AG.

Laut Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden mit Bafög gefördert. Davon bekommen 38,4 Prozent den Höchstsatz von 670 Euro. Im Schnitt erhalten die Bafög-Empfänger 425 Euro monatlich. Stipendien bekommen nur vier Prozent der Studierenden, darunter ein Prozent das "Deutschland-Stipendium", das anders als das Bafög unabhängig vom Elterneinkommen ausbezahlt wird.

Sechs Prozent der Studenten haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.

Wie die repräsentative Umfrage bei über 15 000 Studenten ergab, jobben 61 Prozent neben dem Studium - im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt jedoch ist die Erwerbstätigenquote leicht zurückgegangen.

Gut die Hälfte der Studierenden lebt in einer festen Partnerschaft, fünf Prozent haben ein Kind. Mehr als ein Drittel der Studenten wohnt allein oder mit einem Partner in einer eigenen Wohnung. In Wohngemeinschaften leben 29 Prozent. Vor allem in den Großstädten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum für Studierende.