Kultusminister Steffen Flath (CDU) hingegen sieht Sachsen auf dem richtigen Weg. Bei den jungen Menschen, die über Abitur oder einen Berufsabschluss verfügten, liege der Freistaat mit einem Anteil von 81 Prozent vor allen anderen Bundesländern. Der EU-Durchschnitt liegt bei 77 Prozent. Sachsen dürfe sich jedoch auf seinen Erfolgen nicht ausruhen, sondern müsse daran arbeiten, das Bildungsniveau weiter zu verbessern.

Potenziale verschenkt
Die OECD hatte in ihrer jüngsten Studie den im Vergleich zu anderen Industriestaaten zu geringen Akademikeranteil in Deutschland kritisiert. In Sachsen schaffen nach Angaben des Statistischen Landesamtes pro Jahrgang nur 36,8 Prozent der Schüler das Abitur oder Fachabitur - deutschlandweit sind es 41,5 Prozent. Nur 68 Prozent nehmen im Freistaat anschließend auch ein Studium auf, bundesweit liegt dieser Wert bei 73 Prozent.
Grünen-Politikerin Günther-Schmidt sagte, bislang würden in Sachsen die Schüler zu früh voneinander getrennt und somit Potenziale verschenkt. Sie plädierte für ein gemeinschaftliches Lernen bis zur zehnten Klasse, um so möglichst vielen Mädchen und Jungen den Weg zu einer höheren Bildung offen zu halten. Momentan trennen sich nach der vierten Klasse die Bildungswege. "In Sachsen ist man bislang bereit, diejenigen Kinder, die es ohnehin schon schwer haben, einfach fallen zu lassen", kritisierte sie.

Hohe Pro-Kopf-Ausgaben
Die sächsischen Studenten kritisierten, die Abiturienten in Sachsen würden bei weitem nicht ausreichend informiert. Daher würden auch im Bundesvergleich in Sachsen weniger junge Leute ein Studium aufnehmen, sagte der Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS), Gerald Eisenblätter. "Alle, die sich jetzt loben, sollten sich lieber an die eigene Nase fassen und überlegen, was zu ändern ist." Seiner Ansicht nach haben die meisten Abiturienten Angst vor den finanziellen Risiken eines Studiums. In dieser Frage werde so gut wie gar nicht beraten.
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gab Sachsen im Jahr 2004 pro Schüler und Student im Schnitt 7400 Euro aus. Damit liege der Freistaat weit über dem Bundesdurchschnitt von 7000 Euro und dem OECD-Mittelwert von 6800 Euro.