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Strukturwandel ohne Innovationen ist wie ein Schiff ohne Segel

Am BTU-Rennwagen aus Faser-Kunststoffen: Ministerpräsident Dietmar Woidke, BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach und der Lehrstuhlinhaber Füge- und Schweißtechnik Prof. Vesselin Michailov (v.r.n.l.).
Am BTU-Rennwagen aus Faser-Kunststoffen: Ministerpräsident Dietmar Woidke, BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach und der Lehrstuhlinhaber Füge- und Schweißtechnik Prof. Vesselin Michailov (v.r.n.l.). FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Leichtbauforschung an der BTU Cottbus-Senftenberg setzt auf Schlüsseltechnologien, Wissenstransfer in und Ausbildung für die Lausitz. Christian Taubert

Das Zitat "Strukturwandel ohne Innovationen ist wie ein Schiff ohne Segel" wird Ex-SPD-Politiker Peer Steinbrück zugesprochen. Gefallen ist es am Montag beim Workshop "Leichtbau für den Strukturwandel und den Technologietransfer in der Lausitz" in der Panta Rhei-Halle am Zentralcampus in Cottbus. Und für das, was der brandenburgisch-sächsischen Region in den kommenden Jahren bevorsteht, ist es gleich in doppelter Hinsicht Anspruch.

Denn die Lausitz braucht Innovationen, um bestehenden Unternehmen neue Geschäftsfelder zu eröffnen, Ausgründungen und Start-ups zu befördern. Dass das Lausitzer Seenland zudem vor der Haustür liegt und maritime Geschäfte bis hin zu einer modernen "Lausitz-Werft" denkbar sind, verleiht dem Steinbrück-Zitat zusätzlichen Reiz. "Wir laden Firmen der Region dazu ein, an einem Gemeinschaftsprojekt Lausitzer Schiffbau mitzuarbeiten", sagt der Geschäftsführer der KSC Kraftwerks-Service GmbH Peitz, Michael Stein.

Während des Workshops schildert Stein, wie sein auf Serviceleistungen für die Kohle ausgerichtetes Unternehmen Umbrüche gemeistert hat und mit den Forschern der BTU bereits an Zukunftsfeldern arbeitet. So ist ein Leichtbau-Gerätecontainer-System mit der Uni in der Erforschung, das die sichere Unterbringung von Batterien, Transformatoren oder Gastanks auf Bussen und Bahnen (die RUNDSCHAU berichtete) revolutionieren könnte.

Der BTU-Partner für diese Innovation: Prof. Holger Seydlitz, ein Experte für Faser-Kunststoffe, dessen Juniorprofessur KSC unterstützt. Mit ihm hat im BTU-Leichtbauzentrum unter Prof. Vesselin Michailov die Faser-Kunststoff-Komponente Raum gegriffen und eine Reihe auch regionaler Unternehmen angelockt. Seidlitz und sein Team stellen sich der Herausforderung, im "Land der Kunststoffe und Metalle" - wie er mit Blick auf den Süden Brandenburgs betont - "Schlüsseltechnologie zu erforschen und qualifiziertes Personal auszubilden. Und er kündigt weitere Schnittstellen zwischen Faser-Kunststoffen und Metall an.

Dass dafür Kapazitäten gebündelt werden müssen, ist für Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke "ein Gebot der Stunde". Dabei spiele die BTU Cottbus-Senftenberg "eine Schlüsselrolle für die ganze Lausitz", erklärt der SPD-Politiker. Der Regierungschef würdigt, dass sich die Uni mehr denn je dem Technologietransfer verschrieben habe und mit einer Reihe von Unternehmen der Region an innovativen Projekten arbeite.

Zugleich macht Woidke deutlich, dass eine ebenso bedeutsame Aufgabe parallel zum Technologietransfer die Ausbildung von qualifizierten Fachkräften sei. Qualifiziertes Personal vor Ort entscheide heute oft über Ansiedlungen. "Und die BTU ist auch hier das Herz der Entwicklung", sagt der Ministerpräsident.

Deshalb würden Forschung und Innovationen auch im Mittelpunkt der gemeinsamen Kabinettssitzung mit Sachsen im Juni in Großräschen stehen. Dort solle Einigkeit darüber hergestellt werden, wie beide Länder die Strukturentwicklung am besten unterstützen können. "Wir wollen eine Lausitz, die mit einer Stimme spricht", sagt Woidke.

Die bereits aktiven Innovationsregion Lausitz GmbH oder die Lausitzrunde würdigt er "als richtiger Schritt", dem die Länder den Rücken stärken wollen. Auch, damit der Druck auf den Bund erhöht werden könne. Das treffe etwa auf Infrastrukturvorhaben wie den Bau des zweiten Bahngleises zwischen Lübbenau und Cottbus zu. Die Lausitz habe Potenzial und gute Chancen, den Prozess der Strukturentwicklung erfolgreich zu gestalten.

Das belegen jüngste Innovationen aus der BTU, die Schiffe ohne Segel sicher nicht zulässt.