Von Christian Taubert

Die Görlitzerin Heike Zettwitz hat es „Plan für die Lausitz 2050“ genannt. Das mag von der Vorsitzenden des Lenkungsausschusses der „Zukunftswerkstatt Lausitz“, einem Projekt der Wirtschaftsregion Lausitz (WRL) GmbH, wohl bedacht gewesen sein. Denn hinter vorgehaltener Hand sind bereits Zweifel daran laut geworden, dass sich die federführend den Strukturwandel in der Region lenkende WRL zunächst erst einmal mit einem Leitbild für die Lausitz beschäftigt.

Nichts anderes aber wird der von Zettwitz angekündigte Plan für die Zeit des Ausstiegs aus der Kohleverstromung und darüber hinaus sein. „Unser Ziel ist es, ein Leitbild aus vielen kleinen und wichtigen Bausteinen zu erstellen“, erklärte die Wirtschaftsdezernentin im Landratsamt Görlitz jüngst bei der Vorstellung von drei dafür in Auftrag gegebenen Potenzialstudien in Cottbus. Schon im Frühjahr 2020 solle die „Lausitz-Ouvertüre vorliegen, die die Entwicklungsstrategie für die gemeinsame Region vorzeichnet“.

Mit Blick auf weitere Studien etwa zu autonomem Fahren, Wasserstoff für alternative Antriebe oder zu weichen Standortfaktoren in der Lausitz lässt Zettwitz keinen Zweifel, „dass wir die Expertise für das Leitbild brauchen, um den zweiten Strukturwandel nach 1990 zu schaffen“. Für den Geschäftsführer der Innovationsregion Lausitz GmbH (iRL) Hans Rüdiger Lange ist es allerdings noch zu früh, um einen konkreten Pan aufzulegen. Auch sei es schwierig, „wenn nur eine Gruppe ein Leitbild entwirft“. Für ihn sei es wichtig, dass sich viele mit Chancen für und Wegen in die Zukunft befassen. Aus Langes Sicht müsse das Leitbild Orientierung sein, Korrekturen und Veränderungen zulassen. Die iRL kümmert sich seit mehr als drei Jahren darum, von der Kohle abhängigen Mittelständlern in der Region neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Den Befürchtungen des iRL-Geschäftsführers tritt Torsten Bork entgegen, indem er den Leitbildprozess als „eine dauerhafte Hauptaufgabe der Lausitz und ihrer Dienstleistungs-Plattform und Scharniergesellschaft WRL“ bezeichnet. Der WRL-Geschäftsführer verweist zudem darauf, dass der Leitbildprozess durch eine breite Bürgerschaft und Einbindung der Akteure vor Ort getragen werde. „Im Kern sollen spätere Projekte in der Region so entwickelt werden, dass sich diese im Leitbild, welches nicht statisch zu verstehen ist, sondern einer ständigen Wei­ter­ent­wicklung unterliegen soll, reflektieren lassen“, betont Bork.

Die Notwendigkeit eines Leitbildes als Ankerpunkt für die zukünftige Entwicklung als „Region im Wandel“ in den nächsten 20 Jahren ergibt sich für Zukunftswerkstatt und WRL-Geschäftsführer aus folgenden Prämissen:

 Im europäischen und bundesdeutschen (energie- und umwelt-)politischen Kontext werden verschiedene Kohleregionen adressiert. Die politische Gestaltungsaufgabe bezieht sich dabei nicht mehr nur auf administrative Verwaltungsebenen, sondern auf Regionen als verflochtene Wirtschaftsräume.

 Aus diesem Grund haben die Lausitzer Landkreise in Sachsen und Brandenburg und die kreisfreie Stadt Cottbus erkannt, dass es notwendig ist, als Region gemeinsam wahrgenommen zu werden.

 Die entsprechende Gestaltungsaufgabe des strukturellen Wandels ist nur gemeinsam länder- und landkreisübergreifend lösbar.

 Deshalb wurde über die Dienstleistungsgesellschaft Wirtschaftsregion Lausitz GmbH (getragen von allen Lausitzer Landkreisen und Cottbus) das Gemeinschaftsprojekt „Zukunftswerkstatt Lausitz“ zur Erstellung eines gemeinsamen Leitbildes als Entwicklungsstrategie für die Region ins Leben gerufen.

 Ziel des gemeinsamen Leitbildes ist es, die Region zu vernetzen, sie als wirtschaftliche Einheit wahrzunehmen und die Potenziale der verschiedenen Teilräume zu erschließen.

Wissenschaftliche Expertise zum Ist-Zustand in der Lausitz ist für die Zukunftswerkstatt – die ihre Mittel aus der GRW-Experimentierklausel (siehe Info) erhält – auf diesem Weg unerlässlich. Dabei vermitteln die ersten drei jüngst vorgestellten Gutachten zu Standort-, Flächen- und Verkehrspotenzialen zahlreiche positive Ansätze für die Lausitz nach der Braunkohle. Brandenburgs Lausitzbeauftragter Klaus Freytag verweist zudem darauf, dass es eine zentrale Forderung des Bundeswirtschaftsministeriums in der Kohlekommission beim Bund gewesen sei, Leitbilder für die vom Strukturwandel betroffenen Kohleregionen zu entwerfen. Davon seien künftige Fördermittelzusagen abhängig gemacht worden. „Wo will die Region hin? Wie steht es um nachhaltige Lösungen?“ – Immer wieder habe Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf Antworten zu diesen Fragen gedrungen, erinnert sich Freytag an Debatten in der Kommission. Deshalb finde sich auch im Kommissionsbericht die Forderung nach einem regionalen Leitbild wieder – das für Heike Zettwitz ein „Plan für die Lausitz 2050“ ist.