Um das 14 000 Hektar große Gelände östlich von Wittstock wird seit elf Jahren gestritten. Struck war der erste Verteidigungsminister, der vor Ort erschien.
Rund 600 Demonstranten - Gegner und Befürworter der Bundeswehrpläne - hatten den Verteidigungsminister zuvor mit ohrenbetäubendem Lärm aus Trillerpfeifen und imitierten Tiefflügen auf Tonband in Wittstock empfangen. Die ursprünglich für eine Stunde angesetzte Beratung dauerte zwei Stunden, was alle Parteien begrüßten. Mehrere Teilnehmer auf der Seite der Gegner des Übungsplatzes begrüßten Strucks "ernsthaftes Engagement", zweifelten aber trotzdem am Bedarf eines solchen Übungsgeländes.
Auf Transparenten forderten die Gegner des Übungsplatzes den Verzicht auf das so genannte Bombodrom. Sie erinnerten Struck an das von der SPD-Opposition 1992 gegebene Versprechen, auf den Platz zu verzichten. Dazu äußerte sich Struck wie schon sein Vorgänger Scharping (SPD) nicht.
Befürworter der Militärpläne forderten die Einrichtung der geplanten 800-Mann-Garnison in Wittstock, die mit dem Übungsplatz nach Nordbrandenburg kommen soll. Sie hoffen auf bis zu 500 Arbeitsplätze durch Übungsplatz und Garnison.
Die riesige Wald- und Heidefläche war nach 1945 von der Sowjetarmee besetzt worden. Die Bundeswehr und ihre Militärpartner wollen hier Tiefflüge üben, Übungsbomben abwerfen und Bordwaffen erproben. Nach Militärangaben sei der Platz für gute Pilotenausbildung in Deutschland unverzichtbar. Die Gegner des Planes befürchten vor allem negative Auswirkungen für den Tourismus in Nordbrandenburg und an der Mecklenburgischen Seenplatte. Verteidigungspolitische Experten der SPD-Bundestagsfraktion hatten mehrfach angekündigt, dass die Entscheidung für das Bombodrom bereits feststehe.
Im Landtag hatte der geplante Bombenabwurfplatz bereits am Mittwoch zu einem heftigen Streit geführt. Die PDS-Opposition hatte das Parlament aufgefordert, sich gegen das Bombodrom auszusprechen. Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU schmetterten den PDS-Antrag aber ab.
Dennoch stimmten mehrere SPD-Abgeordnete für die Forderung der Opposition. Dazu gehörten Bildungsminister Steffen Reiche sowie der Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler. Bauminister Hartmut Meyer enthielt sich der Stimme. Die Landesregierung müsse die berechtigten Interessen der betroffenen Kommunen vertreten und die Errichtung des Bombodroms gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern verhindern, hatte zuvor der PDS-Abgeordnete Thomas Domres gefordert.
Eine Lärmbelastung der Bewohner werde es durch die Flugzeuge durchaus geben, räumte der SPD-Innenexperte Werner-Siegwart Schippel ein. Doch ein wirtschaftlicher Aufschwung der Region sei ohne Belastungen nicht möglich. Die Sicherheit für die Bürger dürfe keinesfalls vernachlässigt werden, forderte Schippel. Da es in Deutschland keine geeigneten Übungsplätze gebe, sollte Brandenburg einen Beitrag für die Ausbildung der Piloten leisten. (dpa/ta)