"Mehr als 100 000 Soldaten der Bundeswehr waren inzwischen im Auslandseinsatz, allein im letzten Jahr waren es 27 000 in verschiedenen Kontingenten. Diesen neuen Aufgaben müssen wir entsprechen", sagte Struck der "Welt am Sonntag". Diese neuen Richtlinien sollen der Tatsache Rechnung tragen, dass die Bundeswehr eine Armee im Einsatz ist, so Minister Struck.
Der Bundesverteidigungsminister will auch die Zahl der Elite-Kräfte KSK auf 400 erhöhen. "Dafür nehmen wir keine Rambos, sondern hoch qualifizierte, durchtrainierte Soldaten, die auch die psychologischen Tests bestehen", erklärte Struck. Die derzeitigen 100 KSK-Soldaten in Afghanistan sollen dort bleiben.

Struck für Wehrpflicht
Eine Entscheidung über die Beibehaltung und Dauer der Wehrpflicht will Struck auf spätestens Anfang 2004 vorziehen. Nach der Koalitionsvereinbarung sollten dazu bis 2006 Vorschläge gemacht werden. "Aber weil ich die Reform der Bundeswehr nicht fortsetzen, sondern nachjustieren will, kann ich die Entscheidung nicht soweit zurückstellen, sondern will sie vorziehen", sagte Struck. Er machte zugleich deutlich, dass er weiter ein entschiedener Anhänger der Wehrpflicht sei und versuchen werde, "den Koalitionspartner und die Skeptiker in den eigenen Reihen zu überzeugen". Auf die Wehrdienstdauer wollte sich der Minister jedoch nicht festlegen lassen.
Struck kündigte an, die künftige Bundeswehr werde eine hoch modernisierte Armee sein, die auch mit amerikanischen Streitkräften die gleichen Einsätze bestreiten könne: "Der Soldat der Zukunft wird über einen Laptop nicht nur mit seinem Vorgesetzten oder seinen Stäben, sondern mit allen entscheidenden Stellen verbunden sein", sagte Struck der Zeitung. Das Projekt "Herkules", das die Infrastruktur und die Kommunikation verbessern soll, soll in den nächsten Jahren sechs Milliarden Euro kosten, kündigte Struck an.
Personell werde an 285 000 Soldaten bis 2006 festgehalten werden. Die Zahl der Zivilbeschäftigten solle aber um 30 000 auf 90 000 gesenkt werden. Struck bestätigte auch eine weitere Reduzierung der Bundeswehrstandorte im Zuge der Reform.
Die Abschaffung der Flugabwehrsysteme Hawk und Roland der Luftwaffe, die Außerdienststellung von zwölf Schnellbooten in Warnemünde bis 2005 und die Stilllegung von 80 bis 90 Tornado-Kampfflugzeugen gehe schon "massiv an bisherige Strukturen und Besitzstände, aber es gibt dazu keine Alternativen".

Für Gemeinschaftsfinanzierung
Die sozialdemokratische Wehrexpertin Verena Wohlleben forderte indes eine europäische Gemeinschaftsfinanzierung für große Rüstungsvorhaben wie zum Beispiel das Transportflugzeug A 400 M oder Aufklärungssatelliten.
Die Mitglieder der Europäischen Union hätten sich bereits auf die gemeinsame Aufstellung von Verbänden und Stäben geeinigt. Für diese gemeinsamen Aufgaben fehle aber noch die Finanzierung, geht aus einem der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vorliegenden Brief von Wohlleben an das Bundesverteidigungsministerium in Berlin hervor. (dpa/kr)