„Die Leute haben Angst, was aus der Währung und aus den Staatsschulden wird“, sagt Dietmar Vogelsang, Sachverständiger für Kapitalanlagen. Viele Sparer setzten derzeit auf Termingeld, Gold und Immobilien. Doch im Falle eines vollständigen Zusammenbruchs hätten die Anleger auch davon nicht viel, sagt der Experte. „Das ist eine Schein-Beruhigung.“ Falls im schlimmsten denkbaren Fall das Geld nichts mehr wert wäre, wäre es auch fraglich, ob Anleger mit ihren Goldbarren etwas kaufen könnten und wie sie die Miete für ihre Wohnung eintreiben wollten.

Das Thema Sparen treibt die Deutschen nicht ohne Grund um. Im vergangenen Jahr verfügten die Bundesbürger über ein kaum vorstellbares Geldvermögen von 4,6 Billionen Euro. Zählt man Häuser und andere Sachwerte dazu, beträgt das gesamte Vermögen, bereinigt um Schulden, sogar 9,9 Billionen Euro, wie der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken errechnet hat. Allein im vergangenen Jahr sparten die Deutschen rund 200 Milliarden Euro.

Die Sparquote, also der Anteil des zurückgelegten Geldes am Einkommen, betrug im vergangenen Jahr 11,3 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich sehr viel. Für das erste Halbjahr weisen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes darauf hin, dass die Sparquote allenfalls geringfügig sinken könnte. Aller Krisenstimmung zum Trotz sind die Bundesbürger also weit davon entfernt, ihr Geld aus Angst vor dem großen Crash noch schnell zu verjubeln. Deutliche Verschiebungen gibt es aber bei der Art der Geldanlage.

Experten beobachten eine steigende Nachfrage nach Häusern und Wohnungen – zumindest in den Wachstumsregionen. Das Eigenheim steht laut einer aktuellen Studie des Sparkassenverbandes mit Abstand an der Spitze der beliebtesten Bausteine des Vermögens. Dagegen verloren Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen drastisch an Vertrauen.

Dass besonders die Kapitalversicherungen leiden, ist kein Zufall. Die Versicherungsgesellschaften haben große Teile des angelegten Vermögens in Anleihen investiert, vielfach in die von Staaten, die bis vor Kurzem noch als sehr sicher galten – etwa Italien oder Spanien.

Vielen Anlegern ist allerdings gar nicht bewusst, dass sich ihre private Rentenversicherung auf Staatsanleihen stützt. Das Bewusstsein für die eigene Verstrickung in die Schuldenkrise ist gering, „so wie Anleger auch über Investmentfonds an Waffengeschäften und Spekulation auf Nahrungsmittel beteiligt sind, ohne es zu wissen“, sagt Andreas Oehler, Professor für Finanzwirtschaft in Bamberg.

Der Finanzexperte hält angesichts der Schuldenkrise aber auch nichts von einer überstürzten Flucht in Immobilien. Ohne einen genauen Überblick über den Markt zu haben, sollten Anleger Abstand nehmen. Gegen das Risiko, das Vermögen zu verlieren, helfe nur der alte Ratschlag, das Geld möglichst breit zu streuen.

Die Experten sind sich einig: Keine Form der Geldanlage ist zu 100 Prozent sicher. Wer sein Geld auf verschiedene Töpfe verteilt, fährt noch am sichersten. Ein Ende der turbulenten Zeiten ist nicht abzusehen. Vogelsang rät den Sparern dazu, die Zähne zusammenzubeißen: „Man muss schon noch viel aushalten in nächster Zeit.“