Wie kann es passieren, dass ein einschlägig vorbestrafter Mann frei herumläuft, bis er sich ein neues Opfer sucht, das er nach dem Missbrauch umbringt„ „Todesstrafe (k)ein Thema“ “ Im Aufschrei nach dem Mord an Mitja schwingen einzelne Stimmen mit, die ein endgültiges Urteil fordern. Gestern hatte die Kunst.Fabrik zu einer Diskussion über das Thema ins Landgericht Cottbus eingeladen. Anlass war eigentlich die Finissage zweier Ausstellungen, die sich mit der Todesstrafe auseinandersetzen.
Ganz bestimmt ist die Todesstrafe für die eingeladenen Referenten ein diskussionswürdiges Thema, allerdings eines, zu dem sie alle die gleiche Meinung haben. Ob die ehemalige Berliner Justizsenatorin, Karin Schubert (SPD), Wolfgang Rupieper, Direktor des Amtsgerichtes Cottbus, oder der Pfarrer Christoph Polster - sie eint die vehemente Ablehnung dieser Strafform, die zu den ältesten der vom Menschen praktizierten gehört. US-Korrespondent Arndt Peltner und Michael Schiffmann, Buchautor aus Heidelberg, können den guten Argumenten ihrer Vorredner nur weitere hinzufügen - gegen die Todesstrafe.
Das Streitgespräch ergibt sich erst, als die Zuhörer im gut gefüllten Saal zu Wort kommen. Tatsächlich bekennen sich einige Bürger im Angesicht des gräßlichen Mordes zur Hinrichtung von Gewalttätern.
Das Für und Wider ist nicht neu. Nur dass das Für an diesem Tag rein hypothetisch bleibt. Das Wider zu begründen, beruft sich etwa Karin Schubert etwa auf Artikel 1 und 2 des deutschen Grundgesetzes. Ähnlich argumentiert Wolfgang Rupieper. „Die Todesstrafe ist ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte“ , sagt der Richter. Dem vermeintlichen Gegenargument, ein Toter könne keine Straftaten mehr begehen, entgegnet er mit dem Hinweis auf die nachträgliche Sicherungsverwahrung für Straffällige, die noch nach Verbüßen ihrer Haft eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeuten.
Pfarrer Christoph Polster hingegen begründet sein Kontra aus seiner christlichen Überzeugung heraus: „Die Todesstrafe setzt das falsche Zeichen, wenn sie Gewalt mit Gegengewalt beantwortet.“ Dass diese Strafart abschreckend wirke - dies bringen Befürworter immer wieder vor - verneinen alle Redner. Auch in den USA werde dieses Argument angeführt, sagt Arndt Peltner. Doch die Zahl der Delikte nehme in den Staaten trotz Hinrichtungen nicht ab.
„Wer ein Menschenleben verwirkt, hat keine Rechte mehr“ , ist gegen Ende aus dem Publikum zu hören. Viele im Saal denken an das jüngste Verbrechen von Leipzig. Erst durch Morde wie diesen bekommt das Streitgespräch in Cottbus echte Brisanz. Dennoch: Die Todesstrafe findet woanders statt. Die Diskussion bleibt für Deutschland fiktiv. Und Texas ist weit weg. Dort wurde am Dienstagabend der 44-jährige Donald Miller hingerichtet. 24 Jahre hatte er in der Todeszelle gesessen.