Vor allem für seine Pro-Serbien-Haltung im Balkan-Konflikt musste er Kritik einstecken. Der gebürtige Kärntner, der seit Jahren im Pariser Vorort Chaville lebt, wird heute 70 Jahre alt.

Handke wurde 1942 im kleinen Ort Griffen in Kärnten geboren. Er ging in ein katholisches Internat. Nach dem Abitur begann er mit einem Jura-Studium, das er nicht abschloss. Den Selbstmord seiner Mutter 1971 verarbeitete er mit der Erzählung "Wunschloses Unglück". Während des Studiums kam er erstmals in Schriftsteller-Kreise. 1966 erschien sein Debütroman "Die Hornissen".

Im selben Jahr wurde er über Nacht bekannt: Bei einer Schmährede in Princeton warf er dem legendären Literatenzirkel Gruppe 47 "Beschreibungsimpotenz" vor. Die einen sahen es als furiose Selbstinszenierung, andere als Beginn einer kometenhaften Karriere. Seine Bekanntheit festigte sich einige Monate später endgültig, als Theatermacher Claus Peymann, einer seiner großen Förderer, die Uraufführung von "Publikumsbeschimpfung" in Frankfurt zeigte. Seitdem folgten mehr als 30 Erzählungen und Prosawerke. 2012 nahm er im Buch "Versuch über den Stillen Ort" die Toilette zum Gegenstand philosophischer Betrachtungen.

Das schwermütige "Enfant terrible" der deutschsprachigen Literaturszene sorgte mit seinem vehementen Einsatz für Serbien im Laufe seiner Karriere für viel Kopfschütteln. Seinen politischen Einsatz ließ er auch in seine Werke einfließen. 1999 führte Peymann, ein treuer Wegbegleiter Handkes, das viel kritisierte Stück "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" im Wiener Burgtheater auf. Handke, der selbst slowenische Wurzeln hat, verurteilt darin die Nato-Aktionen gegen Serbien als Verbrechen.

"Ich habe nie Partei ergriffen. Ich habe dieses unerzählte Land erzählt. Ich habe immer Pathos und Nationalismus abgewehrt, wenn ich hier war", erklärte sich Handke einmal in einem "Zeit"-Interview. Handke, der zweimal verheiratet war, blieb immer ein Freigeist. Einer, der sich gegen die Massenmeinung stellte .