Bis gestern hatte sich die Kirchenleitung mit Details zum Klärungsvorgang Wischnath zurückgehalten. Jetzt legte sie ihre Sicht der Vorgänge auf den Tisch, die zu dem schweren Zerwürfnis mit dem Cottbuser Generalsuperintendenten und Vorsitzenden des Brandenburger Aktionsbündnisses gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit geführt hatten. Danach hatte die Kirchenleitung im vorigen Jahr durch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erfahren, dass in der Sira-Kartei, einem Aktenarchiv der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) der Staatssicherheit, ein IM Theologe geführt wurde. Bei dem sollte es sich um Wischnath handeln. Um diesen Verdacht zu klären, so Bischof Wolfgang Huber, sei Konsistorialpräsident Uwe Runge am 1. August vorigen Jahres zum Bundesamt für Verfassungsschutz gefahren, die einzige Stelle in Deutschland, die derzeit über zur Sira-Datei gehörende Klarnamen verfügt. Huber verteidigte diese Entscheidung, sich erst Klarheit über eine Zuordnung von Deckname und Klarname zu verschaffen und dann mit Wischnath zu sprechen.


Beim Verfassungsschutz, so Konsistorialpräsident Runge gestern vor der Presse, sei bestätigt worden, dass dem Decknamen ,Theologe‘ mit der Register-Nummer XV/40/77 der Klarname Rolf Wischnath zugeordnet werde. Der Tagesspiegel hatte das bereits unter Berufung auf den Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen und früheren Mitarbeiter der Gauck-Behörde, Hubertus Knabe, berichtet. Für Bischof Huber ist das jedoch kein Beweis für eine Stasi-Tätigkeit des Cottbuser Kirchenmannes. Er gehe davon aus, dass es sich um eine Abschöpfung gehandelt habe, versicherte der Bischof. Er vertraue dem Cottbuser Generalsuperintendenten und sei sich in Kenntnis der vorhandenen Unterlagen in diesem Punkte sicher. Wischnath hatte schon vor Jahren der Kirchenleitung berichtet, dass er als Mitglied im Sozialistischen Hochschulbund und in der kirchlichen Friedensbewegung vielfältige Kontakte in die DDR hatte und dort auch mit FDJ- und SED- Funktionären gesprochen habe. Darunter, so Wischnath vor einer Woche, könnten möglicherweise auch Stasi-Leute gewesen sein. Einen Kontakt habe er wegen eines solchen Verdachtes abgebrochen.


Während Bischof Huber sich gestern in dieser Frage erneut vor Wischnath stellte und seinen Respekt vor dessen kirchlicher Arbeit und seinem politischen Engagement ausdrücklich betonte, machte er dem Cottbuser Kirchenmann schwere Vorwürfe für dessen Umgang mit der eigenen Kirchenleitung. Der Vorwurf Wischnaths, man habe hinter seinem Rücken mit dem Verfassungsschutz verhandelt, sei absurd, ebenso der Verdacht, die Kirche wolle den Cottbuser Kirchenmann disziplinieren. Wischnath sei im September über den gesamten Sachverhalt, auch über das Gespräch beim Verfassungsschutz, informiert worden, so Huber. Im Januar sei wegen Presseanfragen auch vereinbart worden, abgestimmt in der Öffentlichkeit zu reagieren, sagte der Bischof. Das habe Wischnath nach den ersten Veröffentlichungen nicht getan, sondern durch Interviews die Situation verschärft. Seitdem, so der Vorwurf Hubers, habe Wischnath sich einem Gespräch verweigert. Auch eine dienstliche Stellungnahme, zu der er aufgefordert worden sei, habe er nicht abgegeben. Wischnath hat seine Vorwürfe in die Öffentlichkeit getragen, beklagte der Bischof, uns gegenüber hat er jede Kommunikationsbereitschaft vermissen lassen. Rolf Wischnath behauptet das Gegenteil: Ich war zu jedem Zeitpunkt zu Gesprächen mit den Beteiligten bereit, ich war auch für jeden von ihnen erreichbar. Er will sich nun in absehbarer Zeit zu der Darstellung der Ereignisse durch die Kirche äußern. Punkt für Punkt, wie er ankündigte und öffentlich.